"Kaminer Inside: Passionsspiele Oberammergau": Wladimir Kaminer steht vor dem Eingang des Festspielhauses. Auf einem Banner über ihm sieht man Jesus am Kreuze. Kaminer breitet die Arme aus und ahmt das nach / Copyright: ZDF/Nadja Kölling

Kaminer Inside: Passion Oberammergau

"Es ist einzigartig zu erleben, wie identitätsstiftend die Passionsspiele wirken." (Wladimir Kaminer)

Seit 1634 finden alle zehn Jahre die Passionsspiele in Oberammergau statt. 2020 mussten sie wegen der Pandemie verschoben werden. Umso größer ist die Freude, dass 2022 die 42. Passion vom 14. Mai bis zum 2. Oktober stattfinden kann. Wladimir Kaminer hat die Proben begleitet, fiebert mit, wenn ein ganzes Dorf Kopf steht - und ist natürlich auch bei der Premiere dabei. 3sat zeigt "Kaminer Inside: Passion Oberammergau" am Samstag, 23. Juli 2022, 20.15 Uhr in Erstausstrahlung.

Dokumentation
Sa 23. Jul
20:15 Uhr
Erstausstrahlung

Dankbar, dass die Pest endlich vorbei war, schwor das kleine Dorf Oberammergau, alle zehn Jahre das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi aufzuführen. Und es hat seinen Schwur gehalten. Längst ist aus den dörflichen Passionsspielen ein kulturelles und spirituelles Großereignis geworden. Auf der größten überdachten Freilichtbühne der Welt stellen fast 1.000 Schauspielerinnen und Schauspieler, Statistinnen und Statisten die letzten fünf Lebenstage von Jesu Christi nach. "Es ist einzigartig zu erleben, wie identitätsstiftend die Passionsspiele wirken, gerade in Zeiten wie diesen, und wie Kultur die Menschen vereint," stellt Wladimir Kaminer fest. 

Die "Passion" bestimmt den Lebensrhythmus in Oberammergau. Gut ein Drittel der Bewohner des 5.000-Seelen-Örtchens ist an der Produktion beteiligt. Mitmachen dürfen ausschließlich gebürtige Oberammergauerinnen und Oberammergauer, "Zugereiste" nur, wenn sie seit mindestens 20 Jahren im Ort leben. 103 Vorstellungen bringen die Oberammergauer auf die Bühne - und das über fünf lange Monate. Der Ort lebt von und mit der Passion: Hotels, Souvenirläden, Restaurants - sie alle sind wirtschaftlich abhängig von den Passionsspielen. 

Christian Stückl leitet schon zum vierten Mal die Festspiele. Aschermittwoch 2021 verkündete er bereits den Haar- und Barterlass, seitdem wurde kein Haar mehr geschnitten, kein Bart mehr rasiert in Oberammergau. So sollen die Darsteller ihr biblisches Aussehen für die Spiele bekommen. Für jede Inszenierung schreibt Stückl große Teile des Texts um und passt sie dem Zeitgeist an. Dabei hat er mit vielen Traditionen gebrochen - nicht immer zur Freude der Einwohnerinnen und Einwohner: Dank ihm dürfen jetzt auch verheiratete Frauen und Muslime auf der Bühne stehen, es wird auf Hebräisch gesungen.

Frederik Mayet spielt den Jesus schon zum zweiten Mal nach 2010. Schon als Kind stand er auf der Festspielbühne. Für Monika Lang ist es bereits die siebte Passion. Sie selbst sorgte dafür, dass sie als Mutter und Frau von über 35 Jahren überhaupt mitspielen darf, denn bis 1990 waren verheiratete Frauen und alle jenseits dieser Altersgrenze vom Spiel ausgeschlossen.

Nunmehr zum dritten Mal obliegt Bühnenbauer Stefan Hageneier die heikle Aufgabe, für die 2000 Jahre alte Bibelgeschichte immer wieder eine neue Ästhetik zu setzen. Zwei Jahre arbeitete er an den Entwürfen. Insgesamt 50 Schneider, Tischler, Bühnenmaler, Bildhauer, Requisiteure und sonstige Gewerke setzen seine Ideen um, fertigen 2500 Kostüme an, ebenso das 40 Kilogramm schwere Kreuz und zahlreiche überdimensionierte Engelsschwingen.

 

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Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 30. Mai 2022
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