Marmorbüste von Sophie Scholl in der Walhalla, der Ruhmeshalle der Deutschen © ZDF/Julia Geiss

3satKulturdoku: "Sophie Scholl - Das Gesicht des besseren Deutschlands"

Dokumentation von Sabine Jainski und Ilona Kalmbach

Sophie Scholl verkörpert das Versprechen auf ein besseres, demokratisches und freies Deutschland - und die Hoffnung auf eine junge Generation, die aus den Verbrechen der Eltern und Großeltern ihre Lehren zieht. 3sat zeigt am Samstag, 8. Mai, 19.20 Uhr, anlässlich ihres 100. Geburtstags am 9. Mai die 3satKulturdokumentation "Sophie Scholl - Das Gesicht des besseren Deutschlands" (Erstausstrahlung). Die Filmemacherinnen Sabine Jainski und Ilona Kalmbach untersuchen, wie die Geschichte Sophie Scholls und der Weißen Rose seit ihrer Hinrichtung am 22. Februar 1943 durch die Nationalsozialisten in Radio, Roman, Film und Theater immer wieder neu erzählt wurde. Welche Botschaften sollten mit diesen Geschichten vermittelt werden, für welche politischen Ziele wurde der Widerstand des "besseren Deutschlands" in Anspruch genommen – oder als Verrat diskreditiert? Und wer war eigentlich die junge Frau, die mit 21 Jahren zusammen mit ihrem Bruder Hans Scholl vom NS-Regime hingerichtet wurde?

 

Dokumentation
Sa 08. Mai
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

Sophie Scholls Büste steht in der Gedenkstätte Walhalla, Schulen und Plätze sind nach ihr benannt, demnächst auch ein EU-Parlamentsgebäude in Brüssel. Längst ist sie zum Mythos geworden. Der Mythos wird aber immer wieder auch dazu genutzt, die eigene politische Weltanschauung zu legitimieren. So traten Mitglieder der AfD auf Pegida-Demonstrationen mit weißen Rosen an ihren Revers auf, rechtsnationale Kräfte präsentieren sich in den Sozialen Medien mit Zitaten der Weißen Rose als Widerstandsgruppe. Empörung erregte 2020 die junge Jana aus Kassel, als sie sich auf einer Anti-Corona-Demonstration mit Sophie Scholl verglich.

Die Historikerin Christine Friederich und der Germanist Christian Ernst berichten von den harten, oft ideologischen Auseinandersetzungen um das Erbe der Weißen Rose: zwischen der Schwester Inge Scholl ("Die weiße Rose") und dem Romanautor Alfred Neumann ("Es waren ihrer sechs", aktuell inszeniert am Residenztheater München), zwischen DDR und BRD, zwischen Münchner Studierenden und NS-belasteten Professorinnen und Professoren im Jahr 1968.

Die Dokumentation zeigt zahlreiche Verfilmungen aus dem Archiv, darunter auch den ersten Spielfilm "Die weiße Rose" von Michael Verhoeven, der 1982 einen Skandal in der BRD auslöste. Regisseur Marc Rothemund erzählt, wie er in den 2000er Jahren auf die Verhörprotokolle der Gestapo stieß – und auf dieser Grundlage seinen Film "Sophie Scholl - Die letzten Tage" (2005) drehte, Schauspielerin Julia Jentsch spricht über ihre Rolle der Sophie Scholl. Biografin Maren Gottschalk ("Sophie Scholl – Wie schwer ein Menschenleben wiegt") berichtet von neueren Forschungen zum Leben und Widerstand von Sophie Scholl, und Rapperin Sookee setzt sich mit der aktuellen Vereinnahmung der Widerstandskämpferin durch rechtsnationale Kräfte auseinander.

 

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ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 25. März 2021
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