Szene aus der Doku "Neue Heimat Almanya": 
Familie Öcalan: Sie sind Türken geblieben und im Laufe der Jahre stolze Schwaben geworden. © ZDF/Daniel Ritter

"3satThema: Freunde oder Fremde?": 60 Jahre Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und der Türkei

Am 30. Oktober 1961 schlossen die Bundesrepublik Deutschland und die Türkei ein Anwerbeabkommen. 60 Jahre später blickt 3sat mit dem "3satThema: Fremde oder Freunde?" am Mittwoch, 20. Oktober, ab 20.15 Uhr in drei aktuellen Dokumentationen auf Geschichte und Gegenwart. Wie erging es den ersten Arbeiterinnen und Arbeitern in der Bundesrepublik und wie leben sie heute, Generationen später? 3sat strahlt den ganzen Abend in Zweikanalton deutsch/türkisch aus.

Dokumentationen
ab
Mi 20. Okt
20:15 Uhr
Erstausstrahlungen

Zum Auftakt um 20.15 Uhr berichtet der erste Teil einer zweiteiligen Dokumentation "Von Türken zu Almans. Die Geschichte türkischer Gastarbeiter in Deutschland" (Erstausstrahlung) über Hintergründe und Geschichte. Ab 1961 holte die Bundesrepublik türkische Gastarbeiter ins Land. Man brauchte die Menschen, um das Wirtschaftswunder fortzuschreiben. Hasan Özen und Aydin Fidan erinnern sich an ihre erste Zeit als Gastarbeiter, als sie noch dachten, die Deutschen würden ihnen bei jeder Gelegenheit Schweinefleisch unterschieben. Waren die türkischen Gastarbeiter erst willkommene Arbeitskräfte, die für wenig Geld schwer anpacken konnten, schlug in den 1990er-Jahren die Stimmung um: Die Hip-Hop-Formation "Cartel" war die Stimme der Türken, als in den rechtsextremen Angriffen von Mölln und Solingen zwei Frauen und sechs Mädchen starben.

Um 21.00 Uhr blickt Teil zwei "Neue Heimat Almanya. Türkische Deutsche, deutsche Türken" (Erstausstrahlung) auf das Leben heute. Filmemacherin Candan Six-Sasmaz ist selbst Tochter eines türkischen Gastarbeiters. Am Beispiel ihrer Familie erzählt sie eine typische Migrationsgeschichte. Ihr Vater Oguz hat in vier Schichten in der Fabrik gearbeitet, damit seine drei Töchter es besser haben als er. Dafür hat er gespart und gut investiert. Inzwischen ist er Rentner und verbringt die Hälfte des Jahres in der Arbeiterstadt Neumünster, die andere Hälfte in seiner Geburtsstadt in Antalya. Nach drei Tagen in der Geburtsstadt kommt der Deutsche im Türken Oguz Sasmaz heraus. Ihm fehlen deutsche Ordnung und Pünktlichkeit. Seine Frau Ümmü weiß, dass sie nicht nur in Deutschland Fremde sind, sie haben sich auch von der Türkei entfremdet, sind auch dort zu "den anderen" geworden. Außerdem kommen Oguz, Hasan, Sefika und Emine zu Wort – vier von über 900 000 Türk*innen, die kamen, um wieder zu gehen. Doch sie sind geblieben. Ihre alte Heimat haben sie verloren, eine neue nie gefunden.

Um 21.45 Uhr stellt die Dokumentation "Kültür für Deutschland. Künstler*innen zwischen Tradition und Integration" (Erstausstrahlung) türkeistämmige Künstler*innen in Deutschland vor, die im Spannungsfeld zweier Kulturen leben und arbeiten und zeichnet ein authentisches Bild einer ganz besonderen Kulturszene in Deutschland. Ein Konflikt zwischen Tradition und Integration? Kinder und Enkelkinder der sogenannten Gastarbeiter*innen werfen mit ihrer Kunst einen einzigartigen Blick auf Deutschland. In "Kültür für Deutschland" geht es um die Geschichten dieser Künstler*innen und ihren Weg in die deutsche Kulturszene. Namhafte Künstler*innen wie Mousse T., Eko Fresh, Elif und Shermin Langhoff erzählen von ihrem persönlichen Weg, ihrem künstlerischen Schaffen und den Herausforderungen, die sie zu meistern hatten und noch immer haben. Und auch Comedian Serdar Somuncu berichtet von seinen Erfahrungen.

 

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Mainz, 14. September 2021