Traum(a)-Musik: Major Jurij Soljartschin verarbeitet seine Gulag-Erfahrungen beim Singen von Kolyma-Liedern mit der Musikerin Irina © ZDF/Enno Endlicher

"Kolyma - Die Strasse der Knochen" von Stanislaw Mucha

2000 Kilometer durch das Land der Gefangenen und Toten auf der Suche nach dem Leben heute

Kolyma, die 2000 Kilometer lange Straße im Nordosten Russlands, heißt auch "Straße der Knochen". Zu Stalins Zeiten starben mehr als drei Millionen Menschen in den umliegenden Gulags. Der deutsch-polnische Filmemacher Stanislaw Mucha ("Absolut Warhola", "Tristia") ist von Magadan bis Jakutsk gefahren und nähert sich der Geschichte und den Menschen, die heute dort leben. 3sat zeigt den Dokumentarfilm "Kolyma - Die Straße der Knochen" in Erstausstrahlung am Montag, 7. Oktober, um 22.25 Uhr.

3satDokumentarfilmzeit
Mo 07. Okt
22:25 Uhr
Erstausstrahlung

Die Landstraße Kolyma verläuft durch den tiefsten Nordosten Russlands und entstand in der Stalin-Ära von 1932 bis 1953. Angesichts beträchtlicher Goldfunde in dieser Region errichtete man entlang der Trasse Hunderte von Arbeitslagern, in die Millionen Menschen, als politische Feinde und Kriminelle deklariert, jahrzehntelang unter schrecklichsten Bedingungen weggesperrt wurden. Mehr als drei Millionen ließen dabei ihr Leben. Für Beerdigungen gab es keine Zeit, die Leichen wurden oftmals nur am Rand der Straße verscharrt, ihre Knochen findet man dort bis heute noch: Es ist der wohl längste Friedhof der Welt. Kolyma war das Zentrum des sowjetischen Straflagersystems, bekannt als "Gulag", und hat nie eine gründliche Aufarbeitung erfahren. Die geografische Abgelegenheit und der extreme Permafrost haben die Geschichte Kolymas bislang in Eis und Schweigen gehüllt.

 

Stanislaw Mucha hat mit seinem Team die 2000 Kilometer lange Kolyma durchfahren. Die Reise beginnt in der Hafenstadt Magadan im Osten Sibiriens und endet in Jakutsk, die im Winter als kälteste Großstadt der Welt gilt.  Entlang der Trasse liegen zahlreiche Ortschaften, die einst von Gulag-Häftlingen erbaut wurden. Heute sind es trostlose, verlassene Dörfer und Städte, in denen man noch immer in den Dauerfrostböden nach Gold gräbt, und in denen die eigentlichen Götter Stalin oder Putin zu sein scheinen. Auf der Route der Gefangenen hat er nach dem Leben heute gesucht: Kann man dort lieben, lachen oder glücklich sein? Wie erzieht man die Kinder? Wie verdient man Geld, singt oder stirbt? Muchas Begegnungen mit überraschend offenen Menschen und deren persönlichen Geschichten lassen ein Bild von Kolyma heute entstehen, das immer noch im Schatten der Vergangenheit steht. Auf feinsinnige Weise und mit seinem Gespür für Situationen verschafft er einen sympathischen Zugang zu den Menschen, die heute an der Trasse durch die ehemalige Hölle leben.

 

Fotos zum Film finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 22. August 2019
Das könnte Sie auch interessieren