Anja Plaschg und Laurence Rupp © ZDF/ORF/Ruth Beckermann Filmproduktion

"Die Geträumten" - Zum 50. Todestag von Paul Celan

Ein Film von Ruth Beckermann, Österreich 2016

Liebe und Hass, richtige und falsche Worte: Im Zentrum von Ruth Beckermanns Film "Die Geträumten" (Österreich 2016) steht der Briefwechsel Ingeborg Bachmanns und Paul Celans, die sich im Nachkriegswien kennengelernt haben. Mit dem Film am Samstag, 18. April, 21.45 Uhr, erinnert 3sat an den Lyriker Paul Celan, dessen Todestag sich in diesem Frühjahr zum 50. Mal jährt.

Dokumentarfilm
Sa 18. Apr
21:45 Uhr

Der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan bildet die Textgrundlage zu "Die Geträumten". Die dramatische, rauschhafte, aber auch unendlich traurige Liebesgeschichte zwischen Bachmann und Celan beginnt 1948, als sie 22 und er 27 Jahre alt sind, und sie endet mit dem Suizid Celans 1970 in Paris. Für Ingeborg Bachmann ist es die große Liebe ihres Lebens, und doch hört sie nie auf, in ihm den Fremden zu sehen und ein bisschen wohl auch zu fürchten: einen Juden aus Czernowitz, dessen Eltern im Holocaust umgekommen sind, während sie selbst nichts dergleichen erlebt hat. Sie liebt ihn und stößt an Grenzen, an ihre eigenen und an seine. Es geht nicht immer nett zu in diesen packenden Briefen. In einem Moment des Zweifels fragt sie: "Sind wir nur die Geträumten?"

 

Schauspielerin Anja Plaschg und Schauspieler Laurence Rupp treffen sich in einem Tonstudio, um aus den Briefen zu lesen. Die dramatisch schwankenden Gefühle der Briefe – zwischen Rausch und Verlustangst, Entzücken und Erschrecken, Nähe und Fremdheit – gehen auf die Schauspieler über. Aber sie amüsieren sich auch, streiten, rauchen, reden über Tattoos und Musik. Ob die Liebe damals oder die Liebe heute, ob Inszenierung oder Dokumentation: Wo die Ebenen verschwimmen, schlägt das Herz des Films.

 

Ausgezeichnet auf der Diagonale 2016 mit dem  Großen Diagonale-Preis Bester Spielfilm. In der Begründung der Jury heißt es:  "Eine Dramaturgie von Intimität und inszenierter Vortragssituation, von Text, Körper, Gesicht und Raum, Sprechen und Zuhören. Ruth Beckermanns 'Die Geträumten' wird dem Dialogischen des mehr als zwanzig Jahre umfassenden Briefwechsels ebenso gerecht wie der teils schmerzhaft einsamen Innenwelt der beiden Schriftsteller/innen. Der Film verdichtet das Textmaterial, lässt ihm dabei aber immer genügend Raum zum Nachklingen. Durch die Abfolge von Sprechszenen und Rauchpausen, in denen sich das Aufeinandertreffen der Musikerin Anja Plaschg und des Schauspielers Laurence Rupp zu einer offenen Parallelerzählung gestaltet, bekommt der literarische Text seinen Platz in der Gegenwart. Wir sind begeistert!" Und dem Diagonale Preis für die Beste künstlerische Montage Spielfilm  für Dieter Pichler. In der Begründung der Jury heißt es: "Mit Genauigkeit, mit der notwendigen Ruhe und Bedachtheit, mit Gespür für die unterschiedlichen rhythmischen Nuancen des Textes und der beiden Vortragenden schafft die Schnittarbeit für 'Die Geträumten' einen strukturellen Rahmen, der den Film in seine fließende Form bringt. Er unterstreicht damit die Dialoge der beiden zentralen Paare, bringt sie zueinander, setzt sie in Relationen."

 

Fotos zum Film finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 06. März 2020
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