Der Schauspieler Ulrich Tukur zitiert Texte von Heinrich Mann (c) ZDF und Norbert Busè

3satKulturdoku: "Heinrich Mann, der unbekannte Rebell"

Zum 150. Geburtstag des Dichters im Rahmen des Thementags "Romanwelten"

Heinrich Mann (1871-1950) war ein genauer Beobachter und Kommentator politisch-gesellschaftlicher Vorgänge seiner Zeit. Gerade heute lohnt es sich, die Botschaften des Humanisten neu zu betrachten, denn viele seiner Essays lesen sich wie aktuelle Kommentare – sei es zu Hate-Speeches in den Sozialen Medien, zum Aufflammen von neuem Antisemitismus oder deutsch-nationalem Geraune. Aus Anlass des 150. Geburtstags von Heinrich Mann am 27. März begibt sich Nobert Busè in der 3satKulturdoku "Heinrich Mann, der unbekannte Rebell" im Rahmen des Thementags "Romanwelten" um 19.30 Uhr auf die Spuren des Schriftstellers. Schauspieler Ulrich Tukur wird Heinrich Manns Texte interpretieren. Erstausstrahlung.

Die Dokumentation ist ab Sendedatum ein Jahr in der 3satMediathek abrufbar.

Dokumentation
Sa 27. Mär
19:30 Uhr
Erstausstrahlung

Heinrich Mann war ein Humanist, eine moralische Instanz, dessen Botschaften uns gerade heute wieder viel zu sagen haben. Neben seinen berühmten Werken wie "Professor Unrat", "Der Untertan" oder seinen beiden Henri Quatre-Romanen hat Mann über 1000 Essays verfasst, die sich zwischen romantischer Verklärung politischer Utopien und exzellenten, hellwachen Analysen von Fehlentwicklungen bewegen. Er wurde nicht müde, für Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten. In seinen Essays äußerte er sich zunehmend besorgt über die deutsch-nationale Rechte, plädierte für ein starkes, geeintes Europa mit einer deutsch-französischen Achse und positionierte sich gegen jeden nationalen Chauvinismus.

Schon im Ersten Weltkrieg gehört Mann zu den großen Mahnern und Pazifisten und hat sich damit ganz gegen seinen kriegsbegeisterten und deutschnationalen Bruder Thomas gestellt. 1914 vollendet er seinen Roman „Der Untertan“ über einen typischen Opportunisten im Kaiserreich. Erst nach Kriegsende kann der Roman erscheinen und verkauft sich sofort rasant. Heinrich Mann gehört in dieser Zeit zu den populärsten Autoren Deutschlands. Aber auch zu den streitbarsten. Er engagiert sich für den Sozialismus, für soziale Gerechtigkeit als Basis für eine funktionierende Gesellschaft.

1933 steht sein Name auf der ersten Ausbürgerungsliste der Nazis, seine Bücher werden verbrannt und Heinrich Mann emigriert in die USA. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er in der jungen Bundesrepublik mit Ressentiments betrachtet, die DDR hingegen wählt ihn 1949 zum Präsidenten der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin. Kurz vor seiner Abreise aus den USA stirbt Heinrich Mann.

Für die Dokumentation "Heinrich Mann, der unbekannte Rebell" interpretiert Schauspieler Ulrich Tukur Texte von Mann, die den Nöten der Zeit, ihrer Zerrissenheit und den Konflikten in einer Gesellschaft nachspüren, die sich auf geradem Weg in den nächsten Krieg befindet. Die Texte geben auch spannende Einblicke in Heinrich Manns private Beziehungen zu Frauen aus der Bohème, die den Autor mehr als nur literarisch beschäftigt haben. Schauspielerinnen, Tänzerinnen und Prostituierte erscheinen bei Heinrich Mann als "starkes Geschlecht" und nicht, wie sonst in dieser Zeit üblich, als bloßes Interieur der bürgerlichen Welt. Inwieweit er vielleicht in seinen Beziehungen aber auch nur literarischen Ausbeutungsinteressen gefolgt ist, wird ebenfalls thematisiert. Zu Wort kommen außerdem die Heinrich-Mann-Fans Claudia Roth (MdB/ Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages) und Martin Schulz (Friedrich-Ebert-Stiftung).

 

Im Anschluss, um 20.15 Uhr, zeigt 3sat die Romanverfilmung "Der Untertan" (DDR 1951, Regie: Wolfgang Staudte), am Sonntag, 28. März, 11.15 Uhr, folgt der Filmklassiker "Der blaue Engel" (Deutschland 1930, Regie: Josef von Sternberg) mit Emil Jannings und Marlene Dietrich.

 

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3sat Presseteam

Marion Leibrecht
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Mainz, 01. Februar 2021
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