Karnevalist der Gruppe "De Poller Böschräuber" (Peter Berg) © ZDF/Tobias Winkler/Kobalt Productions

3satKulturdoku: "Ich bin kein Kostüm! Die Debatte um kulturelle Aneignung"

Sollten sich weiße Schauspieler das Gesicht schwarz schminken? Sollte man Dreadlocks tragen? Sollte man sich beim Fasching mit "Indianer"-Federn schmücken? Nein, sagen Vertreterinnen und Vertreter ethnischer Minderheiten. Karsten Gravert lässt in der 3satKulturdoku "Ich bin kein Kostüm! Die Debatte um kulturelle Aneignung", am Samstag, 13. Februar 2021, 19.20 Uhr, in Erstausstrahlung in 3sat, alle Seiten dieser Diskussion zu Wort kommen.

Dokumentation
Sa 13. Feb
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

Mit "kultureller Aneignung" ist meistens gemeint, dass Angehörige der weißen Mehrheit Bestandteile von Minderheitskulturen adaptieren, seien es nun Frisuren, Kleidung, Tanzstile, Sprechweisen oder – mithilfe von Schminke – Hautfarbe. Der Streit um die kulturelle Aneignung hat jetzt auch Deutschland erreicht. Während die einen fordern, dass Minderheiten nicht mehr ausgenutzt werden – auch nicht symbolisch –, wittern andere politisch korrekte Kleidungsverbote und eine neue Moralpolizei.

Karnevalsvereine wie die "Poller Böschräuber vun 1976" verkleiden sich beim Rosenmontagsumzug bis heute als "wilde Buschmänner" mit schwarz angemalten Gesichtern. Helene Batemona-Abeke vom Kölner Forum gegen Rassismus und Diskriminierung empfindet das als herabwürdigend und rassistisch. Mit der Kampagne "Ich bin kein Kostüm!" macht sie darauf aufmerksam. Auch Alice Hasters, Autorin des Buches "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten", lehnt solche Verkleidungen ab. Denn auch wenn sie nicht böse gemeint seien, so hätten sie doch gewaltvolle Auswirkungen: Sie verfestigten das Bild, dass Schwarze primitiv seien.

Ob Scheich, Klischee-Indianer oder japanische Geisha – nicht nur beim Karneval, auch in Oper und Theater stellt sich die Frage nach der kulturellen Aneignung. "Blackfacing", das Schminken mit schwarzer Schminke, um schwarze Figuren darzustellen, ist mittlerweile nicht mehr verbreitet. Doch die Diskussion ist schon weiter: Mit dem Begriff "White washing" kritisieren identitätspolitische Aktivistinnen und Aktivisten, wenn Weiße in Rollen schlüpfen, die nicht ihrer ethnischen Herkunft entsprechen. Der Intendant des Schauspiel Leipzigs, Enrico Lübbe, nimmt eine solche Kritik ernst, stellt aber auch fest: "Nur eine Rolle besetzen zu können, weil jemand die Herkunft hat, wird irgendwann schwierig und ich glaube, auch für die Beteiligten einer Produktion wäre das extrem frustrierend und einengend." Wo würde es hinführen, wenn Othello nur noch von Schwarzen, Winnetou nur noch von Apachen und der gute Mensch von Sezuan nur noch von Chinesen gespielt werden könnte?

Die Dokumentation "Ich bin kein Kostüm!" stellt Standpunkte, Probleme und Ideen für Kompromisse vor. Zu Wort kommen neben Alice Hasters, Helene Batemona-Abeke und Enrico Lübbe auch die Choreografin und Performerin Olivia Hyunsin Kim, Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und Alexander Klaws, Winnetou-Darsteller bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg.

 

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Marion Leibrecht
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Mainz, 05. Januar 2021
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