Das Gelände am Wiener Eislaufverein soll neu gestaltet werden - doch das umstrittene Hochhausprojekt des brasilianischen Architekten Isay Weinfeld scheiterte. Auch weil die UNESCO wegen der Pläne Wien auf die rote Liste setzte © ZDF/Kathrin Schwiering

3satKulturdoku "Welterbe in Gefahr - Wieviel Macht hat die UNESCO noch?"

Film von Kathrin Schwiering

Der Titel "UNESCO-Welterbe" ist begehrt, bringt er doch viel Aufmerksamkeit und Geld. Doch der Schutz der Welterbestätten wird immer schwieriger. Das stärkste Mittel der UNESCO im Kampf gegen Bauwut und Übertourismus war bisher die Androhung, den Welterbe-Titel abzuerkennen. Manchmal reichte die Drohung aus, um - wie in Wien - megalomane Bauvorhaben zu stoppen. Doch immer öfter laufen die Drohungen ins Leere. Wie reformbedürftig ist das UNESCO-Label "Welterbe"? Dieser und anderen Fragen geht Kathrin Schwiering in der 3satKulturdoku "Welterbe in Gefahr - Wieviel Macht hat die UNESCO noch?" (Samstag, 18. Dezember 2021, 19.20 Uhr in Erstausstrahlung) nach nimmt dabei die wichtigsten europäischen Streitfälle in den Fokus: Venedig, Liverpool, Dresden, Berlin und Wien.

Dokumentation
Sa 18. Dez
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

"No Labels Needed" heißt die Kampagne der Stadt Liverpool, die im Juli 2021 den Welterbe-Titel verloren hat: "Wir brauchen den Welterbe-Titel nicht", erklärt der gerade mal 25-jährige Stadtrat für Tourismus und Kultur, Harry Doyle, "die Touristen kommen auch so. Ich glaube, das Welterbe ist nicht gemacht für moderne, vibrierende Städte wie Liverpool."

Auch die venezianische Stadtbevölkerung würden ihren Welterbe-Titel am liebsten loswerden: "Uns hat der Titel nur Nachteile gebracht", erklärt die deutsche Buchautorin und Journalistin Petra Reski, die seit 1991 in Venedig lebt. "Seitdem wir den Titel haben, leidet die Stadt - Kreuzfahrtschiffe spucken regelmäßig Tausende Touristen aus und machen dabei unsere Lagune kaputt." Die Bevölkerung hatte gehofft, dass die UNESCO Venedig auf die rote Liste setzt und so die italienische Regierung gezwungen würde, die Stadt besser zu schützen - aber das ist nicht passiert.

Wien dagegen wurde wegen Bauplänen im "Historischen Zentrum" bereits 2017 auf die Liste der gefährdeten Welterbe gesetzt. Seitdem hat die Stadt versucht, bauliche Kompromisse zu finden, um den Welterbetitel zu erhalten. Stararchitekt Manfred Wehdorn ist der UNESCO dankbar: "Ich bin Wiener, ich bin stolz darauf. Und ich will, dass einen Teil dessen, was den Stolz ausmacht, erhalten bleibt für die nächste Generation. Wien wird ein Paradebeispiel dafür werden, dass die Kritiken der UNESCO nicht einfach weggesteckt werden."

Das Komitee, das über die An- und Aberkennung des Welterbe-Titel entscheidet, bestand früher aus Denkmalschützerinnen und -schützern sowie Fachleuten. Heute sitzen darin überwiegend Diplomatinnen und Diplomaten, die versuchen, die politischen Interessen ihres Landes durchzudrücken.

 

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Hauptabteilung Kommunikation

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@zdf.de
Mainz, 03. November 2021
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