Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs erhalten unbedarfte Oberschüler den militärisch sinnlosen Auftrag, eine Brücke in ihrem Heimatort zu verteidigen © ZDF/MDR/Degeto

80 Jahre nach Kriegsbeginn - 3sat zeigt vier Filme

u.a. den Antikriegsfilm "Die Brücke" und den neuen Dokumentarfilm "Nachlass"

Am 1. September 1939 begann mit dem Überfall auf Polen der Zweite Weltkrieg. 3sat zeigt zum 80. Jahrestag am Montag, 2. September, 22.25 Uhr, den Dokumentarfilm "Nachlass" (Deutschland 2017) von Christoph Hübner und Gabriele Voss in Erstausstrahlung. Am Dienstag, 3. September, folgen um 20.15 Uhr der Antikriegsfilm "Die Brücke" (BRD 1959) von Bernhard Wicki und um 21.55 Uhr"So weit die Füße tragen" (Deutschland 2001). Am Mittwoch, 4. September, 20.15 Uhr, beschließt der Dokumentarfilm "Vater, Mutter, Hitler - Vier Tagebücher und eine Spurensuche" (Deutschland 2016) von Tom Ockers das Programm.

Film
von
Mo 02. Sep
22:25 Uhr
bis
Mi 04. Sep
20:15 Uhr
mit einer Erstausstrahlung

Montag, 2. September, 22.25 Uhr

"Nachlass" - Dokumentarfilm von Christoph Hübner und Gabriele Voss, Deutschland 2017

Erstausstrahlung

Wie geht man damit um, wenn man erfährt, dass der eigene Vater am Massenmord an den Juden unmittelbar beteiligt war? "Nachlass - lass nach" schreibt einer der sieben Protagonisten des Dokumentarfilms, Sohn eines SS-Luftwaffen-Offiziers, auf ein Gemälde. Er erzählt, wie er versucht, mit der Familiengeschichte künstlerisch umzugehen. Die Psychologin, deren Vater ein ranghoher SS-Mann war, heilt die Traumata anderer und versucht, auch ihres zu ergründen. Und da ist ihr Kollege, dessen Großeltern in Ungarn ermordet wurden. Beide sind Mitglied einer Dialog-Gruppe von Kindern aus Täter- und Opferfamilien. Sie sprechen über Wut, Scham und Vergebung. Und nicht zuletzt ist da die junge Israelin, Historikerin und Enkelin eines Auschwitz-Überlebenden, die zum Studieren nach Deutschland gegangen ist und sich für die Motive der Täter interessiert. Sie alle gehen auf ihre Weise mit der Familiengeschichte um, vor allem aber brechen sie das Schweigen der Täter.

 

Dienstag, 3. September, 20.15 Uhr

"Die Brücke" - Spielfilm von Bernhard Wicki, BRD 1959

Im April 1945 geht der Krieg in die letzte Phase. Während die alliierten Truppen auf breiter Front im Vormarsch sind, zieht das Nazi-Regime sein letztes Aufgebot zum "Volkssturm" ein. Darunter befinden sich sieben verblendete Gymnasiasten aus der bayerischen Provinz, deren bisheriges Leben von der NS-Propaganda bestimmt war. Ihr besonnener Lehrer Stern erreicht durch Intervention beim zuständigen Hauptmann, dass man seine Schüler nicht mehr in den Kampf schickt. Stattdessen werden sie zur weniger gefährlichen Bewachung einer Brücke in ihrer Heimatstadt abkommandiert. Als Sigi, der Jüngste der Gruppe, bei einem Tieffliegerangriff stirbt, eröffnen seine Kameraden blindlings das Feuer. Ein amerikanischer G.I., der nicht auf Kinder schießen will, bezahlt sein Friedensangebot mit dem Leben. Das blutige Scharmützel überleben nur zwei der Schüler - Hans und Albert. Auch über 60 Jahre nach seiner Erstaufführung hat der beispielhafte Antikriegsfilm nichts von seiner Wirkung verloren. Mit bewundernswerter Sorgfalt fängt Bernhard Wicki in seinem Spielfilmdebüt die chaotische Atmosphäre kurz vor der Kapitulation ein. Wie kaum ein anderer Film schafft es dieses Drama mit seinen realistischen Kampfszenen, das Pathos vom heroischen Soldatentod nachhaltig zu demontieren.

 

Dienstag, 3. September, 21.55 Uhr

"So weit die Füße tragen" - Spielfilm von Hardy Martins, Deutschland 2001

Der deutsche Oberstleutnant Clemens Forell wird 1946 von einem russischen Kriegsgericht zu 25 Jahren Zwangsarbeit in einem sibirischen Straflager verurteilt. Er hat nur ein Ziel: Überleben. Zusammen mit 3.000 anderen deutschen Soldaten wird Forell in ein entlegenes Lager am Kap Deshnev deportiert. Im Gegensatz zu vielen Mitgefangenen kommt Clemens lebend in Sibirien an. Hier, am Ende der Welt und inmitten einer endlosen Eiswüste, sind nicht einmal Wachen nötig, um die Gefangenen an der Flucht zu hindern. Die Funktion des deutschen Lagerarztes Dr. Stauffer beschränkt sich auf das Ausstellen von Totenscheinen: Denn durch die auszehrende Arbeit in den Bleiminen werden die gefangenen Soldaten langsam vergiftet, falls sie nicht zuvor verhungern. Auch der Arzt selbst ist bereits an Krebs erkrankt und verwirft daher seinen detailliert ausgetüftelten Fluchtplan. Er schenkt Clemens seine heimlich zusammengestellte Ausrüstung, mit der dieser wenigstens eine minimale Chance hat, nach Hause zu kommen. Dem gelingt im zweiten Anlauf  der Ausbruch. Verfolgt vom Lagerkommandanten Kamenev, beginnt eine drei Jahre währende Odyssee durch die Eiswüsten, Tundren und die Wälder Russlands, die nach insgesamt 14.208 Kilometern endet.

 

Mittwoch, 4. September, 20.15 Uhr

"Vater, Mutter, Hitler - Vier Tagebücher und eine Spurensuche" - Dokumentarfilm von Tom Ockers, Deutschland 2016

Über 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus ist die Vergangenheit noch immer nicht vergangen. Bis heute gehen Kinder und Enkel auf Spurensuche und fragen sich, wie ihre Eltern und Großeltern zu Hitler und zur NS-Ideologie standen. Gehörten sie zu den Unterstützern und Anhängern des NS-Regimes? Oder waren sie sogar Täter? Und was bedeuten die Antworten auf diese Fragen für ihr eigenes Leben heute? Als Quelle dienen die Tagebücher ihrer Eltern oder Großeltern, in denen diese ihre Gedanken, Ansichten und politischen Überzeugungen festgehalten haben. Diese einzigartigen Zeugnisse sind unmittelbar unter dem Eindruck der historischen Ereignisse geschrieben und geben somit die Überzeugungen ihrer Verfasser unverfälscht und unbeeinflusst von den späteren politischen Entwicklungen wieder. In aufwendigen Spielszenen rekonstruiert der Film das Leben der vier Protagonisten zwischen 1933 und 1945: Felix Richard Landau, Wilm Hosenfeld, Luise Solmitz und Ida Timmer. In Interviews kommentieren und ergänzen deren Kinder und Enkel die Spielszenen und lassen deutlich werden, wie stark sie die Fragen von Schuld und Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus noch heute beschäftigen.

 

Fotos zu den Filmen finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 31. Juli 2019
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