Im Death Valley wie in Hollywood ist jede Schauspielerin ganz auf sich allein gestellt (Charlie Taylor) © ZDF/Peter Göltenboth & Florian Giefer

A Song of an unknown Actress

Jedes Jahr ziehen Tausende junger Frauen nach Los Angeles, um den Durchbruch als Schauspielerin zu schaffen. Ihre Karrieren verlaufen zumeist in der Grauzone zwischen kleinen Nebenrollen in großen Filmen und großen Rollen in kleinen Filmen, den überlebensnotwendigen Restaurantjobs und einer Endlosschleife von Castings. Sie sind der Ariadnefaden, der nicht abreißen darf. Getragen vom minimalistisch-folkigen Soundtrack der südafrikanischen Musikerin Cherilyn MacNeil entsteht so ein differenziertes Panorama Hollywoods, das die Verheißung auf Ruhm aufscheinen lässt und dabei die Schattenseiten der Schauspielerinnenexistenz nicht verschweigt.

3satDokumentarfilmzeit
Mo 25. Feb
22:25 Uhr
Erstausstrahlung

2015 ergatterte Nicole Coulon eine kleine Sprechrolle an der Seite von Emma Stone in "La La Land". Trotz des großen Erfolgs des mehrfach oscarprämierten Films spielt sich ihr Alltag immer noch zwischen Aushilfsjobs und Castings ab. Gina Slattery kam bereits vor mehr als zehn Jahren nach Los Angeles und muss sich nach Zeiten bitterster Armut und Obdachlosigkeit eingestehen, dass ihr Weg hier zu Ende ist. Die britische Senkrechtstarterin Chloe Farnworth kam mit der Prämierung als "New Face of the Year" der Film- und Fernsehakademie BAFTA nach Los Angeles und baut seither zielstrebig und geduldig ihre Karriere auf. Amanda Markowitz hat nach unzähligen kleinen Rollen in Filmen und TV-Serien begonnen, als Filmproduzentin ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Auch in einer Schauspielerfamilie aufgewachsen zu sein, wie Charlie Taylor, führt in Hollywood nicht zwingend zum Durchbruch. Taylor hat die Achterbahnfahrt der Karriere ihres Vaters hautnah miterlebt, lässt sich jedoch von seinem Scheitern nicht entmutigen und geht selbstbewusst und konsequent ihren eigenen Weg.

 

Trotz aller Frustration und Verzweiflung über die konstante Ablehnung steckt in jedem Vorsprechen die eine große Chance. Und jede, die es in Hollywood zu etwas gebracht hat, musste auch durch diese Phase gehen. So schwebt das große Versprechen über dem grauen Alltag. Im Wechselspiel von dokumentarischer Beobachtung des Alltagsgeschehens und ästhetischer Überhöhung der vorgefundenen Wirklichkeit verdichtet "A Song of an unknown Actress" individuell unterschiedliche Lebensläufe zu einer kollektiven Erfahrung der Traumfabrik als Sehnsuchtsort, an dem für jede(n) alles möglich scheint. Und zeigt ein ausbeuterische, zumeist von Männern dominiertes System, in dem ein einziger Augenblick über Erfolg und Scheitern entscheiden kann.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 03. Februar 2019