Der jungen Regisseurin (Hannah Schutsch), die einem 28 Jahre alten Deutschlandfilm von Jean-Luc Godard nachgeht, fällt es schwer, ihrem französischen Gastdarsteller Paul (Paul Toucang) zu erklären, was er für sie tun soll © ZDF/Felix Herrmann

Das Kurzfilmprogramm in 3sat anlässlich der 66. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen

Mit dem Gewinnerfilm des 3sat-Förderpreises "Which Way to the West"

Anlässlich der 66. Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen, die in diesem Jahr vom 13. bis zum 18. Mai online stattfinden, zeigt 3sat ein Kurzfilmprogramm mit sechs Beiträgen - unter anderem mit Preisträgerfilmen aus dem vergangenen Wettbewerb. Den Auftakt macht der Gewinnerfilm des 3sat-Förderpreises 2019, "Which Way to the West", Samstag, 16. Mai, 23.10 Uhr. Die weiteren Filme folgen im Anschluss. Mit einem kostenpflichtigen Festivalpass können die 350 Kurzfilme, Gespräche und Präsentationen der 66. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen unter www.kurzfilmtage.de  gesehen und verfolgt werden.

Filmreihe
Sa 16. Mai
23:10 Uhr
Erstausstrahlungen

Samstag, 16. Mai, um 23.10 Uhr

Which Way to the West · Erstausstrahlung

Kurzfilm, Deutschland 2019

Regie: Kristina Kilian

Jean-Luc Godard drehte nach der Wende einen Film über Deutschland. 28 Jahre später begibt sich eine junge Regisseurin auf seine Spuren. Sie sucht nach ihrer Identität als Filmemacherin. Die Regisseurin trifft auf Figuren aus Godards Film und besucht die Drehorte. Bleibt sie gefangen in dieser Endlosschleife aus deutscher Vergangenheit und Trauma?

Kristina Kilian gewann mit ihrem Film Which Way to the West den 3sat-Förderpreis bei den Kurzfilmtagen Oberhausen 2019. Die Jury des Deutschen Wettbewerbs in Oberhausen begründete ihre Entscheidung so: "Ein Film über eine Filmemacherin, die einen Film über ihre Auseinandersetzung mit Godards 'Allemagne Neuf Zero' dreht: Das klingt ganz schön 'meta, meta, meta' (um es mit 'Which Way to the West' selbst zu formulieren). Ist es auch, ziemlich meta, aber als Verschränkung von Hommage, Selbstzweifel, Film- und Deutschlandrecherche erweist sich der Film auch als ganz schön komisch und als Suche, die wirklich ins Offene führt. Es ist eine große Stärke von 'Which Way to the West', dass der Film, dem Meta zum Trotz, nicht vor allem smart sein will. Erst das macht ihn klug."

 

Samstag, 16. Mai, um 23.45 Uhr

Brand · Erstausstrahlung

Kurzfilm, Deutschland 2019

Regie: Jan Koester und Alexander Lahl

Als der Bürgermeister eines kleinen Dorfes in Sachsen beschließt, circa 40 Flüchtlinge aufzunehmen, schlägt ihm und seiner Familie eine Welle des Widerwillens und des Hasses entgegen.

Der kurze Animationsfilm Brand erzählt vom Kampf gegen die Angst und vom Mut, trotz Todesangst für seine Überzeugungen einzustehen. Jan Koester und Alexander Lahl produzierten einen eindrucksvoll gestalteten dokumentarischen Animationsfilm über den Bürgermeister eines Dorfs, der nach Morddrohungen sein Ehrenamt niederlegte.

 

Samstag, 16. Mai, um 23.50 Uhr

ma nouvelle vie européenne · Erstausstrahlung

Kurzfilm, Deutschland 2019

Regie: Abou Bakar Sidibé und Moritz Siebert

Als Abou aus Mali in Europa ankam, war es, als hätte ein neues Leben für ihn begonnen - ein Leben mit einer Zukunft. Aber in Deutschland geht alles anders als erwartet. Während sein Film über seine Reise nach Europa überall auf der Welt gezeigt wird, lebt Abou isoliert in einem Flüchtlingsheim.

ma nouvelle vie européenne ist eine essayistische Reflexion über Europas unsichtbare Grenzen und über das Filmemachen als Akt der Selbstermächtigung. Abou Bakar Sidibé dokumentiert und reflektiert seinen Aufenthalt in Deutschland. Der Film wurde 2019 bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen mit dem Preis für den besten Beitrag des Deutschen Wettbewerbs ausgezeichnet. "Über die Welten, die zwischen Kommen und Ankommen liegen, und davon, dass ein Heim noch lange nicht neue Heimat ist, berichtet 'ma nouvelle vie européenne'. Ein Film, der sich und uns nicht zu viel verspricht: an Nähe und Empathie und an Gewissheit, dass alles gut ausgehen wird. Wie er aber aus der existenziellen Notsituation heraus die Kamera zum Medium der Reflexion wie auch der Selbstbehauptung macht, ist nicht nur ein politisch, sondern auch und vor allem ein filmisch bewundernswerter Akt", heißt es in der Begründung der Jury des Deutschen Wettbewerbs.

 

Samstag, 16. Mai, um 0.15 Uhr

Schuld · Free TV Premiere

Kurzfilm, Deutschland 2019

Regie: Dietrich Brüggemann

In diesem Musikvideo steht die Welt Kopf, während Schuldzuweisungen für die gängigsten Übel unserer Zeit verteilt werden. Der vielseitige Spielfilm- und Tatort-Regisseur Dietrich Brüggemann ist mit seinem Pop-Duo "Theodor Shitstorm" (mit Sängerin Desiree Klaeukens) gleichzeitig Regisseur, Autor, Komponist und Sänger dieses suggestiven Films.

 

Samstag, 16. Mai, um 0.20 Uhr

Ada Kaleh · Erstausstrahlung

Kurzfilm, Deutschland 2018

Regie: Helene Wittmann

Irgendein Sommer an einem unbestimmten Ort: In einer Wohngemeinschaft fragen sich die Bewohner, wo sie leben könnten. Sie stellen sich Länder, Gemeinschaften und Orte vor. Die Zeit vergeht, ohne dass die Handlungen der Menschen oder der Zustand der Dinge daran irgendetwas ändern könnten. Und irgendwann fallen alle in einen tiefen Schlaf.

Ada Kaleh gewann den Preis der deutschen Filmkritik 2019 für den besten Experimentalfilm. "Pflanzen, Objekte, Menschen und Lichtstimmungen werden alle mit dem gleichen, hingebungsvollen Blick betrachtet. Es gibt eine Welt ohne Hierarchien, eine Welt der Möglichkeiten! Nach und nach dringen Geräusche und Licht in die Interieurs: Die Sonne, das Rascheln von Blättern, all das wird so gefilmt, als würde man zum ersten Mal sehen und hören. Selten haben wir diesen Weg des Kinos hinaus in die Welt eindringlicher gesehen als in 'Ada Kaleh'. Die Arbeit ist geprägt von einer tastenden, aber bestimmten Annäherung an die Wirklichkeit. Diese dringt beim Blick durch immer größer werdende Fenster durch jede Pore des Films, auch weil Wittmanns Umgang mit der Bildebene und Nika Breithaupts Sounddesign in jeder Sekunde die Balance zwischen unwirklicher Erinnerungswelt und neugieriger Direktheit halten. Wir spüren darin die Kraft eines Auf- und Ausbruchs, der ästhetisch und unbedingt filmisch verhandelt wird", heißt es in der Jurybegründung des Verbands der deutschen Filmkritik.

 

Samstag, 16. Mai, um 0.30 Uhr

FragMANts · Erstausstrahlung

Kurzfilm, Deutschland 2019

Regie: Art Collective Neozoon

Mehrere Social-Media-Influencer preisen frontal in die Kamera verschiedene Produkte an. Ihre Körper werden vertikal fragmentiert jeweils auf drei Bildschirmen dargestellt. Dabei wird nach und nach die Kehrseite der glitzernden Konsumwelt sichtbar.

FragMANts von "Art Collective Neozoon" ist die ironische Verarbeitung der Selbstdarstellung im Netz in Form eines langen Clips, der rhythmisch wie ein Musikvideo funktioniert. "Art Collective Neozoon" ist ein 2009 in Berlin und Paris gegründetes Künstlerkollektiv. Die Arbeiten der Gruppe basieren auf dem Prinzip der Collage und untersuchen Fragen des Speziesismus im Anthropozän (die moralische Diskriminierung von Geschöpfen ausschließlich aufgrund ihrer Artzugehörigkeit). Ihre Arbeiten wurden unter anderem im Centre Pompidou in Paris, im Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, im Kunstmuseum Bonn, in den Kunstwerken Berlin sowie beim Internationalen Film Festival Rotterdam und in den Anthology Film Archives in New York gezeigt.

 

Fotos zu allen Kurzfilmen finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 18. März 2020
Sendetermine
Das könnte Sie auch interessieren