Schriftsteller Uwe Tellkamp (c) ZDF/Christ Valentien

"Der Fall Tellkamp. Streit um die Meinungsfreiheit" von Andreas Gräfenstein

Dokumentarfilm, Deutschland 2022

Lange haben Leserschaft und Feuilleton darauf gewartet, nun ist er da: Uwe Tellkamps neuer Roman "Der Schlaf in den Uhren". Viel wurde in den letzten Jahren spekuliert - auch, ob der Suhrkamp Verlag überhaupt noch zu seinem preisgekrönten Autor steht. Seine Nähe zur Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen und ihrer Buchreihe "Exil" machte das Verhältnis nicht leichter. Tellkamp, der sich 2018 gegen islamische Zuwanderung positionierte und sich massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt sieht, und Susanne Dagen sind zu polarisierenden Figuren geworden. "Wir werden behandelt, als wären wir Verbrecher", sagt Tellkamp, der erstmals für diesen Film wieder Interviews gibt. 3sat zeigt "Der Fall Tellkamp. Streit um die Meinungsfreiheit" (Deutschland 2022) von Andreas Gräfenstein am Mittwoch, 18. Mai 2022, um 20.15 Uhr, in Erstausstrahlung. Bereits um 19.20 Uhr ist Regisseur Gräfenstein zu Gast in der "Kulturzeit". Der Film ist in voller Länge und als fünfteiliger Mehrteiler ab Mittwoch, 18. Mai 2022, 6.00 Uhr, in der 3sat-Mediathek und der ZDF-Mediathek abrufbar.  Außerdem zeigt das ZDF eine 45-Minuten-Fassung am Sonntag, 12. Juni 2022, um 0.35 Uhr.

Dokumentarfilm
Mi 18. Mai
20:15 Uhr
Erstausstrahlung

Susanne Dagens Buchhaus Loschwitz galt lange als Ort der bürgerlichen Mitte in Dresden. Noch bis 2006 veranstaltete der Kulturwissenschaftler Paul Kaiser im Buchhaus eine Diskussionsreihe. Heute sagt er: "Das Buchhaus war ein freigeistiger Ort, doch mit dem offensiven Bekenntnis zu Götz Kubitschek war für mich die rote Linie überschritten." Dagen kooperiert mit dem vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall geführten Antaios Verlag von Götz Kubitschek. 2021 wird eine Buttersäurebombe ins Buchhaus Loschwitz geworfen. Die Fronten sind verhärtet: Streitgespräche und direkte Auseinandersetzung gibt es kaum noch, stattdessen Schweigen.

 

Wie konnte es passieren, dass ein einst diskussionsfreudiger Kreis Intellektueller die Streitkultur aufgegeben hat und nun nicht mehr miteinander debattieren kann? Im Film kommen neben Uwe Tellkamp, Susanne Dagen und Paul Kaiser u.a. auch die Schriftstellerin Monika Maron, der Autor Ingo Schulze, der Theatermacher Heiki Ikkola, die Autorin Jana Hensel, der Theologe und Politiker Frank Richter sowie die Journalisten Stefan Locke (FAZ) und Martin Machowecz (DIE ZEIT) zu Wort. Regisseur Andreas Gräfenstein hat mehr als zwei Jahre an diesem Film gearbeitet. Er selbst hat in Dresden gelebt, kennt Orte und handelnde Personen. Sein Film ist der Versuch, jenseits des politisch Extremen die Sprachlosigkeit der Debatte zu überwinden.

 

Fotos zum Film finden Sie hier.

Hauptabteilung Kommunikation
Dokumentation und Reportage

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 29. April 2022
Sendetermine
Das könnte Sie auch interessieren