Ein Graffiti in Warschau zum Zweiten Weltkrieg. © ZDF/Andrzej Klamt

"Der Kniefall von Warschau – Die Macht der Erinnerung"

Die 3satKulturdoku ordnet Willy Brandts Geste historisch ein

Am 7. Dezember 1970 sinkt Willy Brandt, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, vor dem Ehrenmal für die Toten des Warschauer Ghettos auf die Knie. Eine Geste der Demut, die Geschichte geschrieben hat, zu einer neuen Verständigung zwischen Polen und Deutschen beitrug und eine neue Ostpolitik der Annäherung ermöglichte. Die 3satKulturdoku "Kniefall von Warschau – Die Macht der Erinnerung" am Samstag, 5. Dezember, um 19.20 Uhr, ordnet den Kniefall historisch ein: Worin bestand die enorme Wirkkraft dieser Geste, wie wirkte sie ikonografisch und welche archetypischen Reflexe löste sie aus? Zu Wort kommen Künstlerinnen und Künstler, Intellektuelle sowie Politikerinnen und Politiker aus Deutschland und Polen.

Dokumentation
Sa 05. Dez
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

Wie ist es um die Erinnerungskultur der Deutschen bestellt ist und welche Debatten werden um sie geführt? Verkörpern traditionelle Denkmäler noch eine zeitgemäße Form historischen Erinnerns? Für das zentrale Holocaust-Mahnmal in Berlin hat die Bundesrepublik Deutschland eine architektonische, moderne und abstrakte Form gewählt. In Polen wird gerade in Zeiten der PiS-Regierung eine sehr realistische, konservative Bildsprache favorisiert. Die Wirkung beider Erinnerungsformen ist umstritten. Dazwischen steht die Form der medialen Erinnerung, für die Brandts Kniefall seit 50 Jahren exemplarisch steht. Ein Bild, das um die Welt ging und noch immer jederzeit abrufbar ist.

Noch in diesem Jahr will der Deutsche Bundestag entscheiden, ob in Berlin ein Mahnmal für die Opfer Polens durch NS-Besatzungspolitik und Vernichtungskrieg entstehen soll. Viele Polen halten es für ein Versäumnis, dass es in Deutschland bis heute keinen Gedenkort an diese Opfer gibt. Welche Erinnerungsform und -kultur könnte zeitlos wirkkräftig sein und für historisches Erinnern sowohl im Land der Täter als auch der Opfer stehen? Filmregisseur Volker Schlöndorff ist überzeugt, dass es Aufgabe der Kunst ist, die Erinnerung an die Geschichte lebendig zu halten. Kulturwissenschaftlerin und Friedenspreisträgerin Aleida Assmann glaubt, die Einzigartigkeit des Kniefalls von Warschau mache ihn zu einer ewigen Geste. CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak setzt sich für einen Ort der Erinnerung an die polnischen Opfer des Zweiten Weltkriegs in Berlin ein. Dieser Ort solle zu einem Ort der Begegnung und des Dialogs von Polen und Deutschen werden.

Außerdem zu Wort kommen Historiker Götz Aly, Schriftsteller Artur Becker, die Künstler Rafal Betlejewski und Gunter Demnig, Museumsleiterin Urte Evert, Schriftstellerin Brygida Helbig, Publizisn Adam Krzemiński und Historikerin Hanna Radziejowska.

Fotos unter https://presseportal.zdf.de/presse/derkniefallvonwarschau

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Jessica Zobel
zobel.jwhatever@3sat.de
Mainz, 11. November 2020