Schauspielerin Billie Bertozzi in einem Kleid aus der Zeit Fontanes (Filmszene) (c) ZDF/Norbert Busé

Effi Briest oder die Elastizität des Herzens

Neue Dokumentation über Theodor Fontanes berühmteste Frauenfigur

Effi Briest, das wohl bekannteste Werk Theodor Fontanes, wurde fünf Mal verfilmt, so oft, wie kein anderer deutschsprachiger Roman. Und jede Zeit hatte ihre eigene, sehr spezifische Effi-Interpretation. Anlässlich des 200. Geburtstags Theodor Fontanes am 30. Dezember sendet 3sat die Dokumentation "Effi Briest oder die Elastizität des Herzens" von Norbert Busé, zu sehen am Samstag, 7. Dezember, 19.20 Uhr, in Erstausstrahlung. Sie zeigt, wie Fontane mit Effi Briest eine emblematische Frauenfigur erschaffen hat, die keine Generation ganz unberührt lassen wird und fragt, was die unterschiedlichen Verfilmungen über das jeweilige historische Frauenbild erzählen. Im Anschluss, um 20.15 Uhr, zeigt 3sat Rainer Werner Fassbinders "Fontane Effi Briest" mit Hanna Schygulla.

Literatur
Sa 07. Dez
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

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Längst ist Effi Briest, 1896 als Buch erschienen, Teil unseres kulturellen Erbes geworden. Wie ist Fontanes eigene Haltung zu ihr, warum beschäftigte sie ihn so? Kann man den Dichter mit der Liebe zu den ausdifferenzierten Frauenfiguren vielleicht sogar als einen frühen Wegbereiter weiblicher Emanzipationsbemühungen verstehen? Die Dokumentation geht dieser Frage nach.

Die erste Effi-Briest-Verfilmung fiel in die Zeit des Nationalsozialismus. Gustav Gründgens inszenierte den Stoff 1939 in seinem Privatschloss in Zeesen mit seiner Frau Marianne Hoppe in der Hauptrolle. Die nächste Leinwand-Effi ist eine der Wirtschaftswunderzeit. Auf dem Rittergut Besenhausen setzte Regisseur Rudolf Jugert 1955 die junge Ruth Leuwerik in "Rosen im Herbst" in Szene. Ende der 1960er Jahre widmeten sich in der DDR die Defa Studios dem Stoff, in der Hauptrolle Angelika Domröse. 1974 spielt Hanna Schygulla Effi, Regie führt Rainer Werner Fassbinder. Drehort war Schloss Breedeneck in Norddeutschland. Schließlich die jüngste Verfilmung: Hermine Huntgeburth inszeniert Effi Briest auf Schloss Marquardt bei Potsdam. Die Effi von 2009, dargestellt von Julia Jentsch, erlebt auf der Leinwand sowohl Vergewaltigung, als auch sexuelle Erfüllung.

Die Dokumentation ist eine Zeitreise zu den Drehorten, mit Filmausschnitten und Dokumenten, die das jeweilige Frauenbild widerspiegeln. Expertinnen begleiten diese filmische Reise. Darunter die Leiterin des Potsdamer Filmmuseums Ursula von Keitz, die sich intensiv mit den Effi-Filmen beschäftigt hat. Die Historikerin Jessica Bock erklärt, warum die spezifischen Rollenbesetzungen so viel über das jeweils herrschende Frauenbild preisgeben. Die Lyrikerin Nora Gomringer schwärmt von ihrer Lieblingsverfilmung des Effi-Stoffes, und Fontane-Biografin Regina Dieterle erzählt, warum der Dichter immer schon einen besonderen Zugang zu Frauen hatte.

 

Fotos zur Dokumentation und zum Spielfilm finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 27. September 2019
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