Markus Brock im neuen Futurium in Berlin (c) SWR und ZDF

Markus Brock: "Wir versuchen, den Menschen Schwellenangst zu nehmen"

Interview mit dem Moderator zum 10-jährigen Sendejubiläum von "Museums-Check mit Markus Brock"

Seit nunmehr 10 Jahren stellt die 3sat-Sendung "Museums-Check mit Markus Brock" Museen in den 3sat-Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz vor - und Moderator Markus Brock ist immer noch Fan des Formats: "Ich habe viele Sendungen im Fernsehen gemacht, "Museums-Check" ist für mich die schönste". Im Interview verrät er unter anderem, wie für ihn das ideale Museum aussieht, wie sich die Museumslandschaft verändert hat - und wie es ist, wenn in letzter Sekunde ein Gast absagt.

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Herr Brock, seit 10 Jahren moderieren Sie den "Museums-Check" in 3sat. Was macht für Sie das Besondere der Sendung aus?

Ich glaube, es ist einzigartig im deutschen Fernsehen, dass Museen auf diese Art vorgestellt werden: unterhaltsam und trotzdem nicht oberflächlich, ästhetisch sehr anspruchsvoll und immer aus der Sicht des Museumsbesuchers. Ich habe viele verschiedene Sendungen im Fernsehen gemacht, "Museums-Check" ist für mich die schönste.

Können Sie sich noch an die erste Folge erinnern?
Ja, natürlich. Die haben wir im Jüdischen Museum in Berlin gedreht. Das war unglaublich aufregend und spannend. Unser Gast war der wunderbare Ulrich Matthes, wir hatten gleich einen Draht zueinander. Er ist sehr belesen, wach und ein leidenschaftlicher Zeitungsleser. Als wir uns dann letztes Jahr im Deutschen Historischen Museum wiedertrafen, haben wir genau da weitergemacht – und pausenlos geredet. Martina Klug, unsere von uns allen hochgeschätzte Producerin und Redakteurin, musste uns immer wieder zum Dreh zurückrufen (lacht).

Was hat sich in den letzten 10 Jahren in der Museumslandschaft verändert?

Auffällig ist, dass sich die Haltung der Museumsleute geändert hat. Da ist eine neue Generation dran – übrigens auch mit deutlich mehr Frauen –, die verstanden werden will und auch so spricht. Das heißt, sie sind schon in den Vorabgesprächen klarer, sehr viel anekdotischer. Früher musste man manchmal zweimal nachfragen, bis man den O-Ton so hatte, dass er brauchbar war. Das ist heute ganz anders. So werden im Grunde auch die Ausstellungen gestaltet: Es geht den Kuratorinnen und Kuratoren darum, eine möglichst breite Schicht anzusprechen. Zwar mit der Chance, tiefer zu gehen, aber eben mit einem niedrigschwelligen Zugang. Das ist natürlich auch für uns sehr schön, weil wir ebenfalls versuchen, Menschen die Schwellenangst zu nehmen. In dieser Hinsicht ziehen wir mit den Museen absolut an einem Strang.

Welches Ereignis ist Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben? Ein illustrer Gast, eine lustige Anekdote, eine Panne?

Wir sind so ein super Team, da gibt’s keine Pannen (lacht). Aufregend ist allerdings, wenn ein Gast in letzter Sekunde absagt. Das ist uns einmal passiert, ich glaube sogar am Drehtag selbst. Da sollte Lisa Fitz zum Germanischen Nationalmuseum nach Nürnberg kommen und dann rief die Agentin an und sagte: Frau Fitz hat 40 Grad Fieber und kann nicht. Da sind wir dann dagesessen und haben erstmal überlegt, was wir machen. Schließlich haben wir recherchiert, wer in der Nähe ist, vielleicht im Hotelzimmer rumsitzt und erst abends irgendwo auftreten muss. Ich habe gesehen, dass Wladimir Kaminer gerade rund um Nürnberg auf Lesereise war. Wir haben ihn ausfindig gemacht, angefragt – und er kam!

So spontan?

Ja. Und er war ein großartiger Gast. Hat natürlich auch toll gepasst, weil er auf alles Germanische einen ganz besonderen Blick hat, als Russe, der schon lange in Deutschland lebt. Also es war perfekt. Glück gehabt.

Gibt es ein Museum, das Sie persönlich am liebsten mögen?

Das ist schwer zu beantworten, weil ich so viele gut gemachte Museen gesehen habe. Das ist einmal – und das hängt auch mit meiner persönlichen Beziehung zusammen – das ZKM in Karlsruhe. Ein ganz besonderes Museum, weil es in die Gegenwart und in die Zukunft blickt und eben nicht in die Vergangenheit. Auch die Architektur ist irre: Das war früher eine Munitionsfabrik mit ganz vielen Lichthöfen. Um die Größe anschaulich zu machen, bin ich für die Sendung mit dem Fahrrad durch diese Lichthöfe gefahren. Dann das Kunsthistorische Museum in Wien. Das ist ganz anders mit seinem Bombast und den tollen klassischen Werken, die da hängen. Jetzt waren wir gerade im Futurium in Berlin. Die Art und Weise, wie dort die aktuellen Probleme unserer Welt thematisiert und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, finde ich herausragend gut gemacht. Auch architektonisch ist das ein sehr schönes Haus. Wenn mich etwas beeindruckt, kommen immer mehrere Faktoren zusammen. Das eine ist natürlich die Sammlung oder Ausstellung selbst, die Art, wie sie präsentiert wird. Auch die Architektur spielt dabei eine große Rolle. Das andere ist die Atmosphäre in einem Haus. Es gibt Museen mit einer ganz tollen Atmosphäre, und es gibt solche, da ist es eher ein bisschen schwieriger.

Wer entscheidet denn, in welchem Museum gedreht wird?

Wir sind ja eine sehr kleine Redaktion und tauschen uns natürlich aus. Ganz wichtig ist, dass etwas neu ist. Wie zum Beispiel das Futurium in Berlin. Oder wenn ein Museum umbaut oder etwas neu präsentiert, dann gehen wir selbstverständlich da hin. Im Kunstmuseum Basel war der Anbau neu, und da guckt man dann eben: Wie ist das gemacht, wie funktioniert das? Wir gehen selbstredend auch nach Dresden in die Gemäldesammlung "Alte Meister", das Haus wurde ja gerade erst nach dem Umbau Ende Februar wieder eröffnet – und zwar gleich im März. Wenn ein Haus eine neue Leitung hat, ist das ebenfalls ein guter Aufhänger. In manchen Häusern wollten wir schon lange drehen und haben das immer wieder verschoben. An einem gewissen Punkt sagen wir: Jetzt wird’s aber mal Zeit.

Sie sind auch in österreichischen und Schweizer Museen unterwegs. Haben Sie den Eindruck, dass es dort eine andere Auffassung von Museumsgestaltung gibt?

Das ist ziemlich homogen. Der Museumsbetrieb ist so international, die Leute kennen sich alle untereinander. Man sieht Parallelen, wenn dieselben Firmen für die Ausstellungsgestaltung engagiert werden und zum Beispiel ganz ähnliche Vitrinen einsetzen. Da wird zum Beispiel mit großen Schiebewänden gearbeitet, wo man auf einem Monitor mit Touchscreen das jeweilige Objekt, das hinten im Original ausgestellt ist, in Groß sehen kann und entsprechende Informationen dazu bekommt. Solche Geschichten. Ich finde es sehr erfreulich, dass die Museen modernste Mittel nutzen, um die Exponate und das Hintergrundwissen noch anschaulicher zu machen, noch ästhetischer präsentieren zu können – ohne allzu viele Texttafeln. Dass aber auch immer das Angebot da ist, tiefer in ein Thema einzusteigen. Das finde ich hervorragend gemacht, und mir fällt auch nicht ein, wie man das im Moment besser machen könnte.

Gibt es einen Künstler oder eine Künstlerin, den oder die Sie besonders favorisieren? Oder haben Sie ein Lieblingswerk?

Das 20. Jahrhundert und die Gegenwartskunst liegen mir näher als die Alten Meister. Ich liebe Erwin Wurm und seine schrägen Arbeiten. Seine skulpturalen Arbeiten, die mitunter sehr irritierend sind, mag ich sehr. Im Museum der Moderne in Salzburg waren zum Beispiel lauter "Gewürzgurkerln" ausgestellt: Im ganzen Raum lauter kleine Gewürzgürkchen, sehr aufwendig, jede anders geformt, auf grauen Stelen. Völlig irre. Dann finde ich Gerhard Richter sehr beeindruckend. Seinen Arbeiten bin ich am intensivsten in München im Lenbachhaus begegnet. Dort wurde im Kunstbau, einem Zwischengeschoss oberhalb der U-Bahn-Station, der "Atlas" von Richter präsentiert: Da konnte man auch seine Vorarbeiten sehen und erkennen, welcher Aufwand hinter seinen Werken steckt.

Sammeln Sie selbst Kunst?

Wir haben viel Kunst zu Hause, ja. Von Sammeln würde ich jetzt nicht sprechen, aber es kommt immer mal wieder was dazu.

Drei Schlagworte: Wie sähe für Sie das ideale Museum aus?

Es müsste erstens freien Eintritt haben, zweitens so attraktiv sein, dass es alle anspricht, und dadurch drittens in der Lage sein, seine integrative Wirkung noch besser zu entfalten.

 

Das Interview führte Marion Leibrecht

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 12. März 2020
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