Ingolf Baur mit Andreas Sandvik in der CCS-Anlage in Hammerfest © ZDFPhilip Flämig

"nano – Das CO2-Endlager" über Norwegens Plan, europäische CO2-Emissionen aufzunehmen

Dokumentation von "nano"-Autor und -Moderator Ingolf Baur

Norwegen macht den Europäern ein verlockendes Angebot: Das Land will die gesamten CO2-Emissionen aus der europäischen Industrie aufnehmen und in leeren Erdgasfeldern unter der Nordsee deponieren. Könnte das die Rettung vor dem Klimagau sein? In der Wissenschaftsdokumentation "nano – Das CO2-Endlager", am Dienstag, 25. August 2020, 18.30 Uhr in Erstausstrahlung, geht Ingolf Baur Norwegens Plänen nach und stellt die technischen Möglichkeiten vor.  

 

Die Dokumentation ist ab Sendedatum 5 Jahre in der 3sat-Mediakthek verfügbar.  

nano
Di 25. Aug
18:30 Uhr
Erstausstrahlung

Norwegen hat jahrzehntelang Milliarden mit Gaslieferungen nach Europa verdient. Jetzt ist die Hälfte der Förderstätten erschöpft. Das Land sucht nach einem neuen Geschäftsmodell, und so hat das norwegische Parlament beschlossen, ein technisches Konzept für die Speicherung von CO2 unter der Nordsee zu entwickeln.

Die Technik hinter dem Projekt "Polarlicht" heißt Carbon Capture and Storage, kurz CCS. Dabei soll das CO2, das bei Prozessen in der Zement-, Chemie- oder Metallindustrie Europas notgedrungen anfällt, aufgefangen und mit Schiffen nach Norwegen transportiert werden. Dort soll es in mehrere Kilometer tiefe Sandsteinsedimente unter dem Meeresboden gepumpt werden. In kleinem Maßstab ist diese Technik bereits erprobt: Weltweit existieren 17 Anlagen, in denen Kohlendioxid aus den Abgasen von Kraftwerken und Industrieanlagen mit Hilfe der sogenannten Aminwäsche abgetrennt wird. Norwegen hat Erfahrung damit am Sleipner Feld und dem Snohvit Feld in der Nordsee gewonnen. Dort wird das CO2, das bei der Erdgasförderung immer mit austritt, abgetrennt und in Sedimenten verpresst.

Im Rahmen von "Polarlicht" wird die Technik u.a. im größten Zementwerk Norwegens sowie dem größten Müllkraftwerk Norwegens am Rande Oslos entwickelt. Dort existiert bereits eine Demonstrationsanlage. Hier verspricht man sich für die Zukunft sogar mehr als eine klimaneutrale Verbrennung: Da ein Großteil des Mülls aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, die beim Wachstum CO2 gebunden haben, könnte die Anlage insgesamt CO2 negativ werden. Solche sogenannten negativen Emissionen sind im langfristigen internationalen Klimaschutz bereits eingeplant: Mindestens 10 Milliarden Tonnen CO2 werden voraussichtlich spätestens ab Mitte des Jahrhunderts jährlich aus der Atmosphäre geholt werden müssen, um das Zwei-Grad-Ziel – also die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius bis zum Jahr 2100 gegenüber dem Niveau vor Beginn der Industrialisierung zu begrenzen – zu erreichen.

 

Sendetermine