Die klimakritische Performance "sun & sea" aus Litauen gewann in Venedig den Goldenen Löwen 2019 © ZDF/Ingo Brunner/Kobalt Productions GmbH

3satKulturdoku: "Klimawandel in der Kunst"

Muss der Kulturbetrieb umweltfreundlicher werden?

Schon bevor Corona den Kulturbetrieb zum Erliegen brachte, hatte ein Umdenken eingesetzt: Wie kann man den Kulturbetrieb mit seinen vielen internationalen Events klimafreundlicher gestalten? Die 3satKulturdoku "Kunst fürs Klima" von Frauke Schlickau am Samstag, 27. Juni 2020, um 19.20 Uhr, beschäftigt sich mit dem Umdenken in der Kunstszene und diskutiert das Thema kontrovers mit Kulturschaffenden wie Julius von Bismarck, Julian Charrière, Jonathan Safran Foer und Jérôme Bel. Erstausstrahlung.

Dokumentation
Sa 27. Jun
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

Nicht nur Schriftsteller wie Jonathan Safran Foer und Jonathan Franzen setzen sich mit dem Klimawandel auseinander, auch bildende Künstler schlagen immer wieder Alarm: Olafur Eliasson ließ zum Beispiel vor der "Tate Gallery of Modern Art" in London grönländische Eisblöcke schmelzen, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.

Den Goldenen Löwen der Kunstbiennale in Venedig gewann im vergangenen Jahr die Klima-Oper "sun & sea" aus Litauen. Für die kritische Performance zu globalem Tourismus und umweltpolitischer Gleichgültigkeit reisten allerdings viele Darsteller per Flugzeug an. Besonders der internationale Kunstbetrieb mit seinen Biennalen und Messen ist eine CO2-Schleuder sondergleichen. Nach der Pandemie wird sich das Karussell weiterdrehen - aber wird sich etwas ändern?

Sollen Kulturschaffende den Menschen einen Spiegel vorhalten und sie aufrütteln? Oder lieber den eigenen CO2-Fußabdruck verkleinern, so wie es der Choreograf Jérôme Bel schon seit Jahren vormacht? Bei Bel und seiner Performance Company herrscht striktes Flugverbot. Die Choreografien übt er mit seinen Tänzern über Skype ein – und nimmt künstlerische Einbußen in Kauf. Bis zum Coronaausbruch war er eine Ausnahme im Kulturbetrieb. Die Pandemie aber zwang viele, es ihm nach zu tun.

Im vergangenen Jahr erkannten auch wichtige Museen die Zeichen der Zeit. So hat die Tate Gallery den Klimanotstand ausgerufen und will bis 2023 ihre CO2- Emissionen um zehn Prozent senken. Österreich begann, ein Umweltzertifikat für Museen zu entwickeln. Und die Londoner Serpentine Galleries haben eine Kuratorin für Nachhaltigkeit eingestellt: Lucia Pietroiusti. Sie soll die Umweltverträglichkeit mit gemeinschaftlichen Projekten in der Branche nach vorne bringen.

Es ist also einiges in Bewegung, aber wie zukunftsweisend sind solche Ansätze? Wäre es nicht effektiver, den globalen Wanderzirkus zu Biennalen, Festivals und Messen zu bremsen? Und kann der Kulturbetrieb durch die Pandemie etwas für den Umgang mit dem Klimawandel lernen?

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 20. Mai 2020
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