Wladimir Kaminer und der Direktor von Schloss Neuschwanstein Christian Luksch (c) ZDF/3sat und Nadja Kölling

"Da auf dem Balkon sehe ich Rapunzel stehen" - Zitate aus der Doku

"Kaminer Inside: Schloss Neuschwanstein"

Wladimir Kaminer trifft auf seiner Entdeckungsreise durch das Märchenschloss Menschen, die viel zu dem Bau, seinem Bauherrn und der Geschichte des Schlosses zu erzählen haben.

Hier einige Auszüge aus der Dokumentation zum Nachlesen.

Dokumentation
Interview

Wladimir Kaminer im Gespräch mit ... 

 

Schlossdirektor Christian Luksch über seinen Eindruck beim Anblick des Schlosses:

Christian Luksch: Herzlich willkommen auf Schloss Neuschwanstein! Hallo! Dann wollen wir mal über die Königstreppe in Richtung Schloss gehen zusammen, oder?

Wladimir Kaminer: Sehr gerne. Da auf dem Balkon sehe ich Rapunzel stehen, ja. Sie müsste aber sehr lange Haare haben.

Christian Luksch: Ja, genau. Die hat heute aber eigentlich frei. Die kommt erst morgen wieder, die Rapunzel. 

 

... Schlossdirektor Christian Luksch über den Touristenandrang:

Wladimir Kaminer: Ludwig wollte allein hier in diesem Schloss leben. Und kaum war er tot, sind sofort die ersten Touristen gekommen. Und seitdem werden es immer mehr, immer mehr.

Christian Luksch: Wenn er das sehen würde, würde er sich wahrscheinlich in seinem Grabe umdrehen.

 

… Schlossführer Maximilian Schranner über die Grotte von König Ludwig II.:

Maximilian Schranner: Diese Grotte hier ist eine Szene aus einer dieser alten Sagen, der Tannhäuser-Sage "Tannhäuser an der Venus-Grotte". Der König wollte mit dieser Grotte diese Geschichte ein Stück weit Realität werden lassen und hat sich quasi ein Bühnenbild mitten ins Schloss gebaut.

Wladimir Kaminer: Okay, verstehe. Wenn man merkt, irgendwas an dem Tag ist falsch, dann geht man einfach kurz in seine Grotte und kommt besserer Laune wieder raus.

Maximilian Schranner: Vermutlich war es so.

 

… Restauratorin Tina Naumovic über das unerlaubte Anfassen von Museumsstücken:

Wladimir Kaminer: Woher kommt es, dass Menschen unbedingt eine Stelle anfassen wollen, die die anderen schon angefasst haben?

Tina Naumovic, Restauratorin: Naja, tiefenpsychologisch erklärt ist das wahrscheinlich dieses Broken-Windows-Syndrom. Also wenn bei einem leerstehenden Haus die erste Scheibe eingeschlagen ist, dann werden in kürzester Zeit alle anderen Scheiben auch eingeschlagen.

Wladimir Kaminer: Jetzt hab' ich auch das Gefühl, ich müsste das anfassen. Aber ich mache es nicht.

Tina Naumoviv: Sehr gut.

 

… Kioskbesitzer Armin Lang darüber, warum das Antlitz von König Ludwig II nirgendwo in seinem Laden zu finden ist:

Wladimir Kaminer: Ich sehe kaum das Konterfei von Ludwig. Wie ist das zu erklären?

Armin Lang: Er ist kein Verkaufsrenner.

Wladimir Kaminer: Ludwig ist einfach keine Massenware.

 

… Metallrestauratorin Andjelka Lissner darüber, wie kleinteilig Renovierungen im Schloss sind:

Wladimir Kaminer: Man sieht schon, wie aufwendig diese Renovierung ist, weil alles aus kleinen Teilen besteht. Diese Dekoration, der Kronleuchter. Wie viele Teile sind das?

Andjelka Lissner: Ich habe es nicht mehr ganz genau im Kopf, aber es sind fast 100 Teile. Wenn man bedenkt, dass sich allein schon so eine Abtropfschale – und das sind jetzt 25 Stück – auch nochmal aus drei Teilen zusammensetzt …

Wladimir Kaminer: Und sie müssen alle einzeln bearbeitet werden?

Andjelka Lissner: Genau. Um den Schmutz überall entfernen zu können, muss man den Kronleuchter halt auch auseinanderbauen. Man kann das im montierten Zustand nicht so gründlich machen. Wenn man etwas das erste Mal macht, ist das immer wieder spannend, weil keiner so genau weiß, wie es eigentlich zusammengebaut ist: Wie ist eigentlich innen die Montage? Wie ist die Verschraubung? Wo muss ich zuerst etwas lösen?

Wladimir Kaminer: Ich glaube, da ist irgendwas drin. Eine geheime Botschaft des Königs, sein Testament. Ich möchte, dass nach meinem Tod alle Kronleuchter auseinandergenommen und gefilmt werden. Punkt.

 

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 17. Juni 2021
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