Zarte Burschen bei Tag, Könige bei Nacht: Das sind die jungen bulgarischen Roma, die nach Wien kommen, auf der Suche nach Freiheit und dem schnellen Geld. Sie verkaufen ihre Körper, als wären die alles, was sie haben. Was sie wärmt, fern von zu Hause, ist das Gefühl zusammen zu gehören. Aber die Nächte sind lang und unberechenbar (Szene aus "Brüder der Nacht") © ZDF/ORF/WILDart FILM

Die 3satDokumentarfilmzeit im August

3satDokumentarfilmzeit
ab
Mo 02. Aug
22:25 Uhr

Montag, 2. August, 22.25 Uhr

Buena Vista Social Club

Dokumentarfilm von Wim Wenders, Deutschland/USA 1999

Alles begann 1996, als Musiker und Komponist Ry Cooder nach Havanna reiste, um dort mit kubanischen Musikern eine Platte aufzunehmen. Er suchte und fand für sein Projekt "Buena Vista Social Club" einige der legendären Soneros der 1930er-, 1940er- und 1950er-Jahre. Unter ihnen Idole wie Compay Segundo und Rubén González. Von der weltweiten Euphorie, die nach der Veröffentlichung des gleichnamigen Albums ausbrach, ließ sich auch Filmemacher Wim Wenders anstecken. Er begleitete seinen langjährigen Freund Ry Cooder mit einem kleinen Filmteam nach Havanna und tauchte ein in die Welt der kubanischen Son-Musik. Mit seinem einzigartigen und vielfach ausgezeichneten Dokumentarfilm "Buena Vista Social Club" setzte Regisseur Wim Wenders ihnen ein filmisches Denkmal.

 

Montag, 9. August, 22.25 Uhr

Was kostet die Welt - Monopoly um eine Insel

Dokumentarfilm von Bettina Borgfeld, Deutschland 2020

Sark, die im Ärmelkanal gelegene kleine Insel, war Europas letzter Feudalstaat. Einst britischer Kronbesitz fanden die ersten demokratischen Wahlen hier erst vor 10 Jahren statt. Keiner der rund 600 Einwohner besaß bislang das Land, auf dem er lebte. Das Leben war einfach und beruhte mehr auf gegenseitigem Vertrauen als auf Gesetzesvorgaben. Aber eine neue Macht verändert das beschauliche Inselleben: Zwei Milliardäre beginnen das Land aufzukaufen, Weinfelder anzulegen und erwerben vier der sechs Hotels. Ihre Firmen besitzen bis jetzt ein Drittel der gesamten Landfläche. Das Inselparlament versucht, sich den Maßnahmen entgegenzusetzen, doch die Investoren scheuen keine Kosten und Mühen, um ihre Interessen durchzusetzen. Vor idyllischer Kulisse entfaltet sich ein erbitterter Kampf um Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit sowie die Auslegung der Rechtslage. "Was kostet die Welt - Monopoly um eine Insel" wirft fundamentale Fragen auf nach sozialer Verantwortung, den Schlupflöchern der Finanzindustrie und den Herausforderungen, vor denen diejenigen stehen, die diesen Strategien auf die Spur kommen oder sich ihnen widersetzen wollen.

 

Montag, 16. August, 22.25 Uhr

Sie nannten ihn Spencer

Dokumentarfilm von Karl-Martin Pold, Deutschland/Österreich 2017

Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer, war Schriftsteller, elffacher italienischer Schwimmchampion, zweifacher Olympiateilnehmer, Sänger, Komponist, Pilot, Flugunternehmer, Modedesigner, Fabrikant, Drehbuchautor, Produzent und nicht zuletzt Erfinder der Einwegzahnbürste. Das Multitalent ist von der Mentalität geprägt, den Mut zu haben, Träume zu verwirklichen und das Leben in vollen Zügen zu genießen. Angespornt von der Botschaft der Filme, brechen die beiden Fans Jorgo und Marcus zu einem abenteuerlichen Roadtrip auf, um ihrem Idol näher zu kommen. Ihre Reise wird zu einer Schnitzeljagd quer durch Europa. "Sie nannten ihn Spencer" ist ein berührendes Doku-Roadmovie über zwei Jungs wie Pech und Schwefel auf der Suche nach dem Menschen hinter der Kultfigur. Regisseur Karl-Martin Pold schuf ein faszinierendes Porträt eines Schwergewichts der Filmgeschichte, der die Herzen des Publikums im Sturm eroberte und weitaus mehr zu bieten hatte als die legendäre senkrechte Faust auf den Kopf des Schurken.

 

Montag, 23. August, 22.25 Uhr

Brüder der Nacht 

Dokumentarfilm von Patric Chiha, Österreich 2016

Ein Film über junge bulgarische Roma, die von Not und Sehnsucht nach Wien getrieben wurden, wo sie sich prostituieren. Nur ihr Zusammenhalt stärkt sie gegenseitig. Die Roma-Männer sind aus Bulgarien nach Wien gekommen, um dort die Freiheit zu suchen. Letztendlich aber verkaufen sie ihre Körper, weil sie ihr Geld nicht durch Betteln oder kaum rentable Jobs wie das Austragen von Zeitungen verdienen wollen. In der bulgarischen Heimat heiraten Männer wie sie schon mit 16 Jahren und werden Familienväter. Doch die Armut der Verwandtschaft treibt sie ins Ausland, wo sie ihre finanzielle Situation verbessern wollen. In Wien gehen sie zwischenzeitlichen der Prostitution nach, lassen sich von ihren Kunden für ihre Dienste bezahlen und trennen strickt das Berufliche vom Privaten. "Brüder der Nacht" zeigt, wie sich die jungen Männer dem fragilen Rollenspiel des Nachtlebens hingeben und in einem zärtlichen, eitlen, manchmal aggressiven Zusammenhalt arrangieren. Der Film wurde 2016 auf der Duisburger Filmwoche mit dem 3sat-Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet.


Montag, 30. August, 22.25 Uhr

Der Ast auf dem ich sitze - Ein Steuerparadies in der Schweiz

Dokumentarfilm von Luzia Schmid, Deutschland/Schweiz 2020

Wer zahlt schon gerne Steuern? Also ist es gut, dass es Steuerparadiese in der Schweiz gibt, wo man Steuern vermeiden kann? "Der Ast auf dem ich sitze - Ein Steuerparadies in der Schweiz" geht dieser Frage nach - und hat gute Argumente dagegen. Luzia Schmid erzählt vom Aufstieg ihres Heimatortes Zug zu einer weltweit bedeutenden Steueroase. Auch ihre Familie wirkte an der profitablen Erfolgsgeschichte mit und genoss ihren Wohlstand. Doch Menschen in anderen Teilen der Welt zahlen den Preis dafür. Es ist ein persönlicher Wirtschaftsfilm, auch für Menschen, die normalerweise den Wirtschaftsteil der Zeitungen überblättern. Ausgezeichnet mit dem Grimme-Preis 2021.

 

Fotos zur 3satDokumentarfilmzeit finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 09. Juni 2021
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