Edzard Reuter und Can Dündar beim Dreh vor Brandenburger Tor © ZDF/Louise Oechler

Geraubte Heimat – Exil in der Türkei und Deutschland

In der Dokumentation sprechen Edzard Reuter und Can Dündar über ihre Exilerfahrungen und wie es mit den deutsch-türkischen Beziehungen weitergehen soll

Zwei prominente Persönlichkeiten, zwei Schicksale, zwei Generationen: In Edzard Reuters und Can Dündars Biografien kreuzen sich die Wege der langen deutsch-türkischen Geschichte auf exemplarische Weise. Einst nahm die Türkei Flüchtlinge aus Hitler-Deutschland auf – heute gewährt Deutschland den Verfolgten des Erdoğan-Regimes Zuflucht. Ein deutsch-türkisches Gipfeltreffen zweier Exilanten in Berlin: Reuter und Dündar sprechen in der Dokumentation „Geraubte Heimat – Exil in der Türkei und Deutschland“ von Jutta Louise Oechler über ihre Exilerfahrungen und wie es mit den deutsch-türkischen Beziehungen weitergehen soll. 3sat zeigt die Dokumentation am Samstag, 20. April 2019, um 19.20 Uhr in Erstausstrahlung.

Dokumentation
Sa 20. Apr
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

Der 91-jährige Edzard Reuter ist der Sohn des Berliner Nachkriegsbürgermeisters Ernst Reuter und ehemaliger Daimler-Benz-Chef. Der Sozialdemokrat floh vor den Nationalsozialisten mit seiner Familie in die Türkei. Deutsche Akademiker waren Staatsgründer Atatürk hochwillkommen bei seinen Reformen, der Modernisierung und Verwestlichung des Landes. Edzard Reuter verbrachte seine Kindheit und Jugend in Ankara. Die Entwicklung dort beobachtet er mit größter Sorge: „Das tut mir weh. Da werden die Menschenrechte auf den Kehricht geworfen. Aber meine Eltern verdanken ihr Leben diesem Land, ich meine Jugend. Was derzeit in der Türkei geschieht, erinnert mich an die Anfänge der NS-Zeit.“

 

Auch Journalist Can Dündar, 57, sieht diese Parallelen: „Der Putschversuch war der Reichstagsbrand der Türkei. Für Erdogan willkommener Anlass, seine Widersacher zu verhaften und zum alleinigen Machthaber zu werden.“ Wie Reuter wuchs Dündar in Ankara auf und promovierte an jener Fakultät, an der Edzard Reuters Vater Ernst einst lehrte. Der frühere Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“ zog mit einem Enthüllungsartikel über Waffenlieferungen des türkischen Geheimdienstes an syrische Islamisten den Zorn Erdoğans auf sich. Nach Gefängnishaft, einem Attentat auf ihn und schließlich dem Putschversuch im Juli 2016 konnte Dündar nicht mehr in die Türkei zurückkehren und lebt seitdem in Berlin. Durch seinen Widerstand gegen Erdoğans Autokratie wurde er zur Symbolfigur der unterdrückten „anderen“ Türkei. Doch auch hier wird der Regimegegner bedroht, kann keinen Auftritt ohne Polizeischutz absolvieren. Erdoğans langer Arm reicht bis nach Deutschland – für Dündar daher eine weit weniger sichere Zuflucht als damals die Türkei für Reuter.

Fotos zur Dokumentation finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Jessica Zobel
zobel.jwhatever@3sat.de
Mainz, 01. April 2019