Marcel Reich-Ranicki in Hamburg, Anfang der 60er Jahre (c) ZDF/Privatarchiv

"Ich, Reich-Ranicki" - Porträt anlässlich des 100. Geburtstags des Literaturkritikers

Filmische Biografie von Lutz Hachmeister und Gert Scobel

Am 2. Juni 2020 wäre Marcel Reich-Ranicki (1920-2013), der legendäre Literaturkritiker und unvergessene Chef des "Literarischen Quartetts", 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass zeigt 3sat das Porträt "Ich, Reich-Ranicki" von Lutz Hachmeister und Gert Scobel. Die beiden Grimme-Preisträger entwerfen in über 100 Minuten das Bild eines Mannes, dessen Lebenslinien seit seinen Jugendtagen zwischen Einsamkeit und Sehnsucht nach öffentlicher Anerkennung verliefen.

Dokumentation
Sa 30. Mai
22:15 Uhr

Der nach Warschau deportierte Abiturient Marcel Reich-Ranicki aus Berlin, der die NS-Herrschaft nur knapp überlebt, kehrt Ende der 1950er-Jahre in die Bundesrepublik zurück und wird zum Starkritiker, zum Dompteur im Literaturzirkus. Seine Anhänger schätzen seine Lust, lauthals zu rühmen und zu tadeln. Seine Gegner werfen ihm Egomanie und grobschlächtige Kategorien bei der Beurteilung moderner Literatur vor. So kam es zu legendären Kontroversen Reich-Ranickis mit Günter Grass, Martin Walser, Peter Handke, Sigrid Löffler und, in Sachen der NS-Größe Albert Speer, mit Joachim Fest – seinem Förderer, der ihn einst als Literaturchef zur "Frankfurter Allgemeine Zeitung" geholt hatte. Mit selten gezeigtem Archivmaterial und sehr persönlichen, ausführlichen Erzählungen von Marcel Reich-Ranicki werden die Höhepunkte eines Jahrhundert-Lebens ebenso dargestellt wie die bedrohten Jahre, als die Nationalsozialisten beabsichtigten, den jungen Marcel Reich zu vernichten.

 

Das filmische Porträt enthält eine Fülle von bisher wenig bekannten biografischen Details. So schildert Reich-Ranicki ausführlich und sehr ergreifend, wie er vom Tod seines Bruders Alexander erfahren hat. Und er schildert auch seine Arbeit als Literaturkritiker in den 1950er-Jahren in Polen: "Das war schon sehr unter DDR-Einfluss".  "Ich, Reich-Ranicki" ist die Charakterstudie eines enorm fleißigen, begabten und durchsetzungsfähigen Mannes, der um seinen Aufstieg kämpfen musste, zugleich ein spannendes Panorama deutscher Kultur- und Fernsehgeschichte. Der Film verzichtet auf jeden Kommentar, und es fällt nicht einmal das Wort "Literaturpapst". Zu Wort kommen zahlreiche Zeitzeugen, darunter viele, die inzwischen schon verstorben sind - wie "Quartett"-Mitstreiter Hellmuth Karasek, "FAZ"-Herausgeber Frank Schirrmacher und Reich-Ranickis Sohn Andrew Ranicki.

 

Der Film wird noch einmal im ZDF am Sonntag, 31. Mai, um 0.25 Uhr, ausgestrahlt.

 

Fotos zum Film finden Sie hier.

 

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 27. April 2020
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