Wladimir Kaminer besucht ein Schwingfest © ZDF/SRF

Kaminer Inside: Schweiz

Auf der Suche nach dem Heimatgefühl

Wie viel Heimat brauchen Sie? Was lieben Sie an Ihrer Heimat besonders? Welche Speisen essen Sie aus Heimweh? Mit diesen Fragen versuchte einst der Schweizer Schriftsteller Max Frisch eine Annäherung an den Begriff Heimat. Gerade in der Schweiz mit ihren vier Sprachregionen ist es nicht immer einfach, die Frage nach Heimat zu beantworten. Kommt hinzu, dass der Begriff auch zum Jargon rechter Identitätspolitik gehört und inzwischen ein Marketingwort geworden ist, das aus der Suche nach Zugehörigkeit Kapital schlagen möchte. Wladimir Kaminer nimmt die Herausforderung an: Für "Kaminer Inside: Schweiz" am Mittwoch, 21. August,21.00 Uhr, will er wissen, wie es sich im kleinsten 3sat-Land lebt und wer hier heimisch ist.

 

Dokumentation
Mi 21. Aug
21:00 Uhr
Erstausstrahlung

Die Schweizer sind in Wladimir Kaminers Vorstellung ein ernstes Alpenvölkchen, das aus mysteriösen Gründen sehr reich geworden ist und, wenn neben dem Käsen noch Zeit bleibt, seine spärliche Freizeit gerne mit noch mysteriöseren Hobbies wie Jodeln verbringt. Um sich auf eine Begegnung mit ihnen zu rüsten, trifft er die in Berlin lebende Schweizer Schauspielerin Ursina Lardi und lässt sich von ihr einen Crash-Kurs in die vier Schweizer Landessprachen geben. Mit ein paar Brocken Rätoromanisch, Italienisch, Französisch und Schweizerdeutsch sowie einem Haufen Klischees im Gepäck macht er sich auf, um das Schweizer Heimatgefühl zu erkunden. Kaminers Reise beginnt im idyllischen Emmental. Dort tüftelt in einem feuchten Gewölbekeller der Tierarzt und Hobby-Käser Beat Wampfler an nichts Geringerem als an der Neuerfindung des Käsemachens. Er beschallt seine salontisch-großen Emmentaler-Laibe mit Musik und bringt so die Moleküle zum Tanzen. Hip-Hop soll dabei besonders günstig auf den Käse einwirken. Grund genug für Kaminer, sich ein Stück Hip-Hop-Käse zu schnappen und einen Schweizer Rapper (ja, das gibt’s) in dessen Tonstudio zu besuchen. Marash Pulaj, Sohn albanischer Einwanderer, rappte schon mit 14 über seine Identität als Albaner in der Schweiz und als Schweizer in Albanien. Seine Eltern gehören jener Generation an, die wegen der Jugoslawienkriege in die Schweiz flüchteten und eine neue Heimat suchen mussten. In der Schweiz eine neue Heimat gefunden hat die gebürtige Kenianerin Yvonne Apyio Brändle-Amolo. Ausgerechnet im konservativsten Kanton der Schweiz, im Kanton Appenzell (das Frauenstimmrechts gibt es dort seit 1991!), beginnt Yvonnes Integrationsgeschichte. Hier lernte sie Jodeln und fand Freunde. Über zehn Jahre später ist sie Politikerin, Aktivistin, Künstlerin und kämpft für mehr Anerkennung von schwarzen Menschen in der Schweiz. Schweizer Folklore liebt sie noch immer und so kommt es, dass Kaminer sie auf ein Schwingfest begleitet. Schwingen, das ist eine archaische Art des Ringens und Schweizer Nationalsport. Dort versuchen sich Männer und Frauen in Sägemehlkreisen auf den Rücken zu legen. Von Sonia Kälin, der vierfachen Schwingerkönigin, lässt sich Kaminer, nicht unbedingt für sportliche Leistungen bekannt, das zuerst einmal am eigenen Leib demonstrieren – Muskelkater garantiert. Im traditionsreichen und berüchtigten Café Odeon in Zürich, wo einst die intellektuelle Elite Europas verkehrte, trifft Kaminer außerdem den Schweizer Journalisten Roger de Weck zum Gespräch. Zum Abschluss seiner Reise wird Kaminer noch von Olivenbäuerin Claudia Knapp zu einem Abendessen im hintersten Tal des Engadins eingeladen, bei dem Kaminer seine neu erworbenen Fremdsprachenkenntnisse unter Beweis stellen kann. Am Tisch sitzen Menschen aus allen Sprachregionen. Es wird wild durcheinandergesprochen, getrunken und gelacht und Wladimir Kaminer kommt zu einer überraschenden Erkenntnis.

 

Alle Fotos zu "Kaminer Inside" in Deutschland, Österreich und der Schweiz finden Sie hier.

ZDF
HA Kommunikation/
3sat Presseteam

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@3sat.de
Mainz, 24. Juni 2019
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