Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. © ZDF/colourbox.de

"Kulturzeit extra: Auschwitz und wir - Wie der Shoah gedenken?"

Die Deutschen galten als vorbildlich bei der Aufarbeitung der Vergangenheit. Doch wie sieht die Realität aus? Antisemitismus und Geschichtsverdrossenheit nehmen in der Gesellschaft weiter zu. Der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar mahnt die heute Lebenden. Doch was, wenn dieses Gedenken große Teile der Gesellschaft nicht mehr erreicht? Im 3sat-Magazin "Kulturzeit extra: Auschwitz und wir - Wie der Shoah gedenken?" (Erstausstrahlung) am Donnerstag, 27. Januar 2022, 19.20 Uhr, spricht Moderatorin Cécile Schortmann unter anderen mit Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank, über, die aktuelle Erinnerungskultur.

Welche Wirkung geht von diesem Gedenktag heute noch aus mit seinen fast schon ritualisierten Kranzniederlegungen, Veranstaltungen mit Zeitzeugen, alljährlich wiederkehrenden Berichten über die Gedenkarbeit in Konzentrationslagern? Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen verbinden 70 Prozent der befragten Deutschen mit dem Datum 27. Januar nichts, beim 9. November denken laut Forsa-Umfrage nur 13 Prozent an die Reichspogromnacht. Bei der Mitte-Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, die rechtsextreme und demokratiegefährdende Einstellungen in Deutschland untersucht, ärgerten sich 2018/19 gut die Hälfte der Befragten darüber, dass den Deutschen heute noch Verbrechen an den Jüdinnen und Juden vorgehalten würden. "Der Glaube an eine tatsächliche Aufarbeitung der Vergangenheit ist nichts weniger als die größte Lebenslüge der Bundesrepublik", zu diesem radikalen Schluss kommt Samuel Salzborn, Politologe und Antisemitismusbeauftragter des Landes Berlin.

Wie nachhaltig ist die Erinnerungskultur? Die historische Botschaft erreicht längst nicht die gesamte Gesellschaft und ihre Mahnung reicht offenbar nicht aus, um zu verhindern, dass Antisemitismus vermehrt und offener zu Tage tritt. "Du Jude" gehöre heute zu den häufigsten Schimpfwörtern auf deutschen Schulhöfen, zu diesem Ergebnis kommt die Frankfurter Soziologin Julia Bernstein in einer Studie. Und nicht erst seit dem Anschlag in Halle denken Jüdinnen und Juden in Deutschland vermehrt über Auswanderung nach. An der Problematik der Gedenktage offenbart sich eine grundlegende Frage: Wie steht es um die Erinnerungskultur und die Mahnung der Shoah für die Gegenwart? Und könnte in den Möglichkeiten digitaler Medien nicht auch eine Chance liegen?

Kulturzeit
Do 27. Jan
19:20 Uhr
Erstausstrahlung

Weiteres Programm zum Internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar in 3sat.

Fotos unter https://presseportal.zdf.de/presse/kulturzeit

Hauptabteilung Kommunikation
Aktualität, Kultur und Unterhaltung

Jessica Zobel
zobel.jwhatever@zdf.de
Mainz, 15. Dezember 2021
Das könnte Sie auch interessieren