Bei der transkraniellen Magnetstimulation(TMS) werden einzelne Hirnareale gezielt angesteuert und stimuliert (c) ZDF und Micha Bojanowski.

Wege aus der Depression

"Wissenschaft am Donnerstag" mit einer Doku und einer Ausgabe des Wissenstalks "scobel" zum Thema

Depressionen sind laut WHO weltweit die zweithäufigste Krankheit. Trotzdem weiß man bislang wenig über Entstehung und Ursachen. "Wissenschaft an Donnerstag" zeigt am Donnerstag, 13. Februar, 20.15 Uhr, die Dokumentation "Neustart fürs Gehirn: Wege aus der Depression" von Julia Zipfel und im Anschluss, um 21.00 Uhr, den Wissenstalk "scobel: Depression - alte Mythen, neue Wahrheiten". Erstausstrahlungen.

Wissenschaft am Donnerstag
Do 13. Feb
20:15 Uhr
Erstausstrahlungen

Weltweit kämpfen mehr als 300 Millionen Menschen mit Depressionen. Ein Viertel der Betroffenen spricht weder auf Psychopharmaka noch auf eine Psychotherapie an. Versuche, Depressionen wie andere Krankheiten mit Medikamenten zu behandeln, erscheinen mittlerweile fragwürdig. Der amerikanische Psychiater Dr. Irving Kirsch von der Harvard Medical School hat sowohl veröffentlichte als auch unveröffentlichte Studien von Pharmafirmen ausgewertet, mit denen sie sich um die Zulassung ihrer Präparate bewarben. Das Ergebnis: In allen Studien war ein Placebo fast genauso wirksam wie das Medikament. Der Unterschied ist laut Kirsch zwar "statistisch, aber nicht klinisch relevant".

Behandlungsmöglichkeiten wie der Elektrokrampftherapie (EKZ), bei der Stromschläge ins Gehirn gegeben werden, vertrauen selbst viele Fachärzte nicht. Dabei ist EKT bei schweren, therapieresistenten Depressionen sehr effektiv und schon lange nicht mehr die Brachialtherapie, wie sie in den 1950er-Jahren angewandt wurde. Eine Weiterentwicklung der Hirnstimulation ist die Transkranielle Magnetstimulation (TMS), die zielgerichtet bestimmte Hirnareale ansteuert und – im Gegensatz zur EKT – ambulant durchgeführt wird.

Auch der Wirkstoff Ketamin, als Narkosemittel und Partydroge bekannt, rückt immer mehr in den Fokus der Psychiater: Die antidepressive Wirkung tritt sehr schnell ein – eine Erlösung für schwerstdepressive Patienten, die vorher auf keine andere Therapieform angesprochen haben. In den USA ist seit Anfang 2019 ein Ketamin-Nasenspray zugelassen, und Malek Bajbouj von der Berliner Charité rechnet mit einer baldigen Zulassung des Nasensprays in Deutschland. Denn hierzulande greift man noch auf Infusionen zurück. Filmautorin Julia Zipfel leidet selbst seit ihrer Kindheit an Depressionen.

In ihrer Dokumentation "Neustart fürs Gehirn: Wege aus der Depression" beleuchtet sie die Hintergründe der Krankheit und stellt neue Studienergebnisse sowie alternative Behandlungsmöglichkeiten zu Psychopharmaka vor.

 

Im Anschluss, um 21.00 Uhr, folgt der Wissenstalk "scobel: Depression - alte Mythen, neue Wahrheiten". Lange Zeit unumstößliches Wissen über die Krankheit und ihre Behandlung gerät bei Forschern zunehmend in die Kritik oder weicht neuen Erkenntnissen. So zeigen neueste Studien, dass auch Entzündungen und Störungen der Darmflora Depressionen verursachen können. In Deutschland, wo schätzungsweise vier Millionen Menschen unter der Krankheit leiden, sind Therapieplätze Mangelware. Das therapeutische Gespräch stellt immer noch eine Königsdisziplin der Behandlungsmethoden dar, wenn auch Langzeitverfahren wie die Psychoanalyse durch den Kostendruck im Gesundheitswesen immer mehr an den Rand gedrängt werden. Online-Therapien drängen auf den Markt, und gerade wurde die systemische Psychotherapie als viertes Behandlungsverfahren zugelassen. Und obwohl die Wirksamkeit der klassischen Antidepressiva – Medikamente, die seit den 1950er- und 1960er-Jahren nicht weiterentwickelt wurden – immer wieder von Experten angezweifelt wird, stiegen die Verschreibungen von 2007 bis 2017 um rund 50 Prozent. Dabei ist bekannt, dass einige Antidepressiva Suizide auslösen, zur Chronifizierung der Erkrankung beitragen oder abhängig machen können. Bald wird in einer groß angelegten Studie in Deutschland eine neue Arznei erprobt: der halluzinogene Wirkstoff Psilocybin, der aus Pilzen gewonnen wird. Experten hoffen, dass damit in Kombination mit einer Psychotherapie bald eine neue Behandlung gegen schwere Depressionen zur Verfügung stehen wird. Wie behandelt man Depressionen auf der Basis dieser Fakten und Erkenntnisse am besten und nachhaltigsten, und welche Strategien brauchen Betroffene und die Gesellschaft, um in Zukunft wirkungsvoll mit Depressionen umgehen zu können? Darüber diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen.

 

In 3sat steht der Donnerstagabend im Zeichen der Wissenschaft: Um jeweils 20.15 Uhr beleuchtet die Dokumentation relevante Fragen aus Natur- und Geisteswissenschaften, Kultur und Technik. Im Anschluss, um 21.00 Uhr, diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen zum Thema.

 

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ZDF
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3sat Presseteam

Marion Leibrecht
leibrecht.mwhatever@3sat.de
Mainz, 02. Januar 2020
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