Heikler Raps. Die Pestizide, die eingesetzt werden, sind sehr schädlich für Nützlinge und Wasserlebewesen (c) ZDF/SRF

"Der Pestizid-Poker" - Ein Film von Karin Bauer

Schweiz, 2022

Der perfekte rote Apfel – mit Giftrückständen. Er steht für das Dilemma der Lebensmittelproduktion. Wie gefährlich sind Pestizide? Wurden bei Zulassungen Fehler gemacht? Der Film "Der Pestizid-Poker" von Karin Bauer folgt den Spuren des Gifts auf dem Feld, im Wasser und in den Keller des Bundesamts für Landwirtschaft. 3sat zeigt den Schweizer Beitrag am Mittwoch, 4. Mai 2022, um 20.15 Uhr in deutscher Erstausstrahlung.

Dokumentation
Mi 04. Mai
20:15 Uhr

Bauern, Herstellerfirma, Behörden, Handel oder Konsumenten – wer ist verantwortlich für den Gifteinsatz? Das Spielfeld des Pestizid-Pokers tut sich schon zu Beginn der Recherche auf. Dass die Äpfel Gala und Golden Delicious rund 20 mal bis zur Ernte gespritzt werden, weiß jede Obstbäuerin und jeder Obstbauer. Ansonsten schrumpft der Ertrag und es droht Pilzbefall. Ist ein Apfel nicht perfekt in Form und Farbe verlieren sie zwei Drittel des abgemachten Preises. Ein Bio-Apfelbauer hat nicht die besseren Karten: Er muss seine Äpfel rund doppelt so oft spritzen, weil biologische Mittel weniger regenbeständig sind. Zwar sind sie weniger giftig, wegen des häufigen Spritzens aber sind Bodenbelastung und Dieselverbrauch höher. Die Folgen des Einsatzes für perfekte Früchte lassen sich zum Beispiel im Thurgauer Eschelisbach messen: Die Grenzwerte für viele Pestizide sind seit Jahren überschritten, schweizweit berühmt als Symbol für Bäche inmitten intensiver Landwirtschaft. So klar die Daten für die Gewässerbelastung, so sehr tappt die Schweiz im Dunkeln, wenn es um die Belastung der Bevölkerung mit Pestiziden und anderen Chemikalien geht. Beim sogenannten "Human-Biomonitoring" hinkt die Schweiz Deutschland und Österreich um über ein Jahrzehnt hinterher. 34 Pestizid-Wirkstoffe wurden allein 2019 und 2020 vom Markt genommen. Zum Beispiel das Nervengift Chlorpyrifos. Epidemiologische Studien hatten gezeigt, dass es den IQ von Kindern verringern kann. Für Schlagzeilen wegen der Belastung des Trinkwassers sorgte das pilztötende Mittel Chlorothalonil, das von der EU als wahrscheinlich krebserregend eingestuft und darum verboten wurde. Bei der Recherche zum Film erklären zwei Chemiker, dass man schon in den 1980er- und 1990er-Jahren um die Gefahr dieser zwei Stoffe gewusst habe. Respektive, dass man die Gefahr aufgrund der Tierversuchsstudien hätte errechnen und die Wirkstoffe verbieten können. Die Spur führt Autorin Karin Bauer in die Archive der Schweizer Zulassungsbehörde, wo über tausend Bundesordner lagern.

 

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Dokumentation und Reportage

Claudia Hustedt
hustedt.cwhatever@zdf.de
Mainz, 25. März 2022
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